Kennst du das, wenn man irgendwelche Dinge so oft gesagt oder getan hat, dass man nicht mehr darüber nachdenkt? Weil ich schon als Kind oft das Vaterunser gebetet hatte, ging es mir damit schnell genau so. Deswegen dachte ich auch, dass an dieser Stelle nicht steht „Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“, sondern bin davon ausgegangen, dass da „Schuldiggang“ oder irgendein anderes altes Gottesdienst-Wort aus der Bibel steht, von dem kein Mensch weiß, was es bedeutet. Als ich dann gecheckt habe, dass da „Schuldigern“ steht, war das schon ein ziemlich krasser Moment. Es war schon nice, auch endlich zu verstehen, was ich da eigentlich immer gebetet hatte. Aber was bedeutet es denn jetzt, wie Gott seinen „Schuldigern“ zu vergeben?

In Matthäus 6, 14-15 können wir dazu lesen:

Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater euch auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.  (Schlachter 2000)

Unsere Beziehungen leben von Vergebung. Wenn ich überhaupt nichts vergeben würde, dann könnte ich keine Freunde mehr haben. Die viel schockierendere Wahrheit ist aber: Wenn mir keiner vergeben würde, dann wäre auch mit mir niemand mehr befreundet. Wir alle haben schon Dinge getan, für die wir Vergebung brauchen. Die Bibel zeigt uns das. Aber durch Jesus haben wir die Vergebung von Gott ja schon erhalten – oder? JA! Aber Gott erwartet auch, dass wir, denen alle Schuld vergeben wurde, selbst großzügig sind! Wenn wir die Zeilen des Vaterunsers, die sich um Vergebung drehen, im Zusammenhang lesen, dann ist „Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ nämlich auch mehr als eine vage Absichtserklärung: „Vergib uns unsere Schuld, so wie auch wir unseren Schuldigern vergeben“. Liest man es so, macht man seine eigene Vergebung vor Gott davon abhängig, ob man auch dazu bereit ist, anderen zu vergeben.

Aber man muss aufpassen, dass man sich hier nicht in Perfektionismus verfängt: Wir müssen nicht so perfekt im Vergeben sein, wie Jesus das ist. Das werden wir auch nicht schaffen. Aber einen vergebenden Lifestyle kann man erlernen: Zum Beispiel, indem man nicht von seinem „Schuldiger“ erwarten, dass er den ersten Schritt macht und sich bei uns entschuldigt. Jesus hat unsere Schuld auf sich genommen, als wir noch gar nicht dazu in der Lage waren uns unsere Schuld einzugestehen. Wir sollten bereit sein, den ersten Schritt zu machen.

Ein letzter Gedanke: Durch den Heiligen Geist sind wir befähigt, Menschen Dinge zu vergeben, die man normalerweise niemals vergeben würde. Außerdem gibt er uns die Kraft, Leute zu lieben, die uns hassen. Wenn du deinen „Schuldigern“ wirklich vergeben kannst, dann gönne ihnen auch die Gute Nachricht, dass Gott alle Schuld von uns nimmt. Vielleicht nicht, indem du sie stolz auf ihren Fehler ansprichst und ihnen sagst „Gott liebt dich aber trotzdem“, sondern vielmehr durch ein liebevolles Verhalten und deepe Gespräche. Dann werden sie sich vielleicht von selbst fragen, was bei dir eigentlich abgeht. Denn wer seine Feinde liebt, der fasziniert sie auch.

Für deinen SBK:

_Überlegt, wie ihr den anderen zeigen könnt, dass nichts zwischen euch steht (passt auf, dass ihr nicht hochmütig rüberkommt).

_Vergeben tut gut! Betet für Menschen, bei denen es euch schwerfällt, zu vergeben.

_Macht den ersten Schritt und wartet nicht auf Entschuldigungen.