Wenn ich die Ausarbeitung besonders gut mache, bekomme ich auch ein gutes Ergebnis! Wenn ich im Unterricht aufmerksam bin und mich häufig melde, dann bekomme ich vielleicht eine gute mündliche Note! Wenn ich gute Noten nach Hause bringe, sind meine Eltern glücklich und stolz auf mich!

Eigentlich ist es nicht erstaunlich, manchmal dafür aber umso erschreckender, wie leistungsorientiert wir denken: „Ich muss das und das tun, um bestimmte Anforderungen zu erfüllen und dann werde ich belohnt!“ Und leider funktioniert das Prinzip ja auch ziemlich häufig. Und da ist es ja eigentlich nicht verwunderlich, dass wir das gleiche Prinzip ganz automatisch unterbewusst auch auf unseren eigenen Glauben anwenden: „Wenn ich Sonntag in die Kirche gehe, macht Gott das ein bisschen glücklicher und ich stehe besser da“. Oder: „Wenn ich regelmäßig viel in der Bibel lese, dann macht Gott das auch ein bisschen stolz“.

Auch wenn es sich anfühlt, als ob wir es ja eigentlich besser wissen müssten: Was ist es denn, was Gott sich eigentlich von uns wünscht?
Der Prophet Micha hat darauf eine schöne Antwort parat:

Ihr fragt: »Womit soll ich vor den Herrn treten, diesen großen und erhabenen Gott? Was soll ich ihm bringen, wenn ich mich vor ihm niederwerfe? Soll ich einjährige Rinder als Opfer auf seinem Altar verbrennen? Kann ich ihn damit erfreuen, dass ich ihm Tausende von Schafböcken und Ströme von Olivenöl bringe? Soll ich meinen erstgeborenen Sohn opfern, damit er mir meine Schuld vergibt?« Der Herr hat dich wissen lassen, Mensch, was gut ist und was er von dir erwartet: Halte dich an das Recht, sei menschlich zu deinen Mitmenschen und lebe in steter Verbindung mit deinem Gott!

Micha 6,6-8

Neben einer ganzen Menge, die offenbar – rhetorisch – nicht richtig sind, zählt Micha hier genau drei Dinge auf: an das Recht halten (gemeint ist hier Gottes Wort), menschlich zu Mitmenschen sein und in Verbindung mit Gott leben. Von Tun und Leisten ist dabei aber gar nicht die Rede! Und genau das führt eigentlich zum spannenden Punkt: Viel zu häufig stellen wir uns offenbar die falsche Frage, um unser eigenes Handeln zu reflektieren: Statt zu fragen, WARUM wir etwas tun, überprüfen wir unser Handeln viel zu gerne mit der Frage, WIEVIEL wir tun – was zugegebenermaßen auch die Frage ist, die man deutlich einfacher beantworten kann. Aber anstatt zu zählen, wie oft wir im Gottesdienst sind, wie viele Kapitel wir in der Bibel gelesen haben oder wie vielen Menschen wir geholfen haben, – was ohne Frage alles wichtige und richtige Dinge sind – müsste unsere eigene Frage an uns selbst eigentlich lauten „mache ich das, was ich tue wirklich, um diese drei Ziele [an Gottes Wort halten, Mitmenschlichkeit, Verbindung zu Gott] zu verfolgen?

Wenn du für dich dann feststellst, dass es dir hilft, mit Gott in Verbindung zu sein, wenn du z.B. regelmäßig ganz viele Kapitel in der Bibel liest – umso besser! Wenn du merkst, dass sich einige Dinge in deinem Leben eher wie Pflichterfüllung anfühlen, dann ist es vielleicht an der Zeit, zu fragen, ob du vielleicht andere Wege findest, diese drei Punkte zu erreichen! Denn schließlich ist unser Gott doch ein Gott der persönlichen Beziehung und nicht der Todo-Listen.

_zum Nachdenken für die Woche:

  • Wie ist das in deinem Leben? Gibt es Dinge, die du tust, nur weil du das Gefühl hast, eine Pflicht erfüllen zu müssen?
  • Was bedeutet es für dich, menschlich zu Mitmenschen zu sein und in steter Verbindung mit Gott zu leben?
  • Was könntest du tun, um diese Ziele zu verfolgen?