In seinem Brief an die Korinther schreibt Paulus viel über Glaube, Liebe und Hoffnung. Und davon, dass Liebe das wichtigste davon ist – selbst der eigene Glaube steht hinter der Liebe zurück! Gleichermaßen irgendwie krass und langweilig, denn einerseits ist ‚Liebe‘ doch eigentlich irgendwas für besondere Momente – der erste Kuss, Schmetterlinge im Bauch, Freundschaft und Beziehung. Und andererseits begegnet einem das Gebot der Liebe quer durch die Bibel, vom ersten Kindergottesdienst bis hin zur letzten Predigt: Barmherzige Samariter oder Jesus, der sich selbst opfert oder jede Menge andere Menschen, die ihr Hab und Gut mit anderen geteilt haben – so viele, dass man es schon fast nicht mehr hören kann.

Doch was heißt das eigentlich, wenn die Bibel davon spricht, seinen Nächsten  zu lieben, wie sich selbst?

Im alten Testament wird mit „Nächster“ jemand aus dem eigenen „Dunstkreis“ bezeichnet – ein Freund, Verwandter, Nachbar oder Geliebter. OK, die zu lieben, fällt einem in der Regel nicht sonderlich schwer. Erst in der Bergpredigt erklärt Jesus, dass explizit auch Feinde zu den eigenen „Nächsten“ zählen. Aber wie viele Feinde habe ich schon als normaler Mitteleuropäer? Und wie soll ich die überhaupt uneingeschränkt lieben können?

Eine Antwort darauf gibt Luther: „Siehe, also fließt aus dem Glauben die Liebe und Lust zu Gott und aus der Liebe ein freies, williges, fröhliches Leben, dem Nächsten umsonst zu dienen.“ Es soll uns selbst also auch Spaß machen, anderen zu dienen! Und dafür finden sich im Alltag ja sicherlich genügend Möglichkeiten.

_zum Nachdenken:
Anderen zu helfen, muss also nicht unbedingt immer mit Selbstüberwindung und eigenem Unbehagen zu tun haben. Wo siehst du diese Woche Menschen und Situationen, wo es dir Spaß machen würde, zu helfen, füreinander da zu sein, anderen zu dienen? Und vielleicht macht es dann ja sogar Spaß, auch mal auf Menschen zuzugehen, die nicht mehr zum eigenen „Dunstkreis“ gehören!