Wenn du so ein Kind bist wie ich, dann liebst du den Herbst insbesondere in dem Stadium, in dem wir uns jetzt befinden. Raschelnde Blätter am Boden, die letzten Blätter an den Bäumen strahlen mit überzeugendem Gold, Mensch und Tier mummeln sich vermehrt in Schals und Mützen während sie die letzten nachmittäglichen Sonnenstrahlen genießen
Einfach herrlich.

Aber wenn man die Blätter am Boden genauer anschaut, dann ist das eigentlich ein ziemlich trauriger Anblick: braune, verkrüppelte und vertrocknete Blätter rollen sich da zusammen und zerfallen zu Krümeln wenn man sie in die Hand nimmt. Da ist nicht mehr viel übrig von den kraftvollen Blättern, die grün leuchtend noch vor wenigen Wochen am Baum hingen.

Die Blätter am Boden sind Zeugnis von Vergänglichkeit.

Und von noch etwas geben diese Blätter am Boden Zeugnis: Um Kraft zum Leben zu haben und Widrigkeiten zu strotzen müssen die Blätter mit Chlorophyll versorgt werden. Jener Farbstoff, der die grüne Färbung der Blätter hervorruft.
Sobald der Baum diesen Stoff nicht mehr an das Blatt weitergibt, stirbt dieses ab.

Eine schöne Allegorie, die mich ein wenig an den Text erinnert, der in Johannes 15 steht:

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viele Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Folgende Parallelen zu meinem Leben stelle ich fest:

#versorgt: Im Herbst gehen Bäume in den „Stromsparmodus“. Weniger Licht bedeutet weniger Photosynthese, bedeutet weniger Chlorophyll, bedeutet bunte Blätter. Manchmal habe auch ich das Gefühl, dass Gott im Stromsparmodus ist. Irgendwie kommt bei mir nicht so viel von dem an, was er mir geben will. Aber genau wie bei den Bäumen das Herunterfahren der Leistung den Sinn des Überwinterns hat, hat auch ein Schweigen Gottes immer einen Sinn. Und er versorgt garantiert immer mit allem, was ich im Moment brauche.

#verbunden: Ein Blatt, was die Verbindung zum Baum einmal aufgegeben hat, ist dahin. Das zeigen uns die riesigen braunen Blätterhaufen am Straßenrand. Und ich glaube, das hat gar nicht so wenig mit uns zu tun. Wenn ich die Verbindung zu Gott kappe, dann kann ich auch nicht mehr mit Wasser und allen anderen Nährstoffen versorgt werden, die ich zum Überleben brauche. Das ist eine wichtige Erkenntnis finde ich: Wir brauchen eine Kraftquelle. Allein geht es nicht.

#verheißen: Der Baum bleibt, auch wenn sich seine Gestalt im Winter vielleicht verändert. Das erlebe ich auch mit Gott. Er bleibt. Zwar ändert er manchmal ein wenig seine Gestalt, zeigt sich auf unterschiedliche Weise und in manchen Situationen verstehen wir sein Handeln auch überhaupt nicht (warum schmeißt der Baum denn jetzt seine Blätter ab, es ist doch noch ganz warm!) – aber eine Verheißung steht: Der Baum, er bleibt. Und es wird gesagt, dass der im Frühjahr wieder prachtvoller blüht als jemals zuvor.

Wie geht es dir, wenn du über Blätter und Bäume nachdenkst? Hast du gerade das Gefühl, dass du geistlich ein wenig verkrüppelst? Fühlst du dich manchmal so, als hätte Gott dich von seinem Baum abgestoßen?

Neben all dem Grübeln über Chlorophyll und die wunderbare Art, wie sich Bäume auf das Überleben im Winter vorbereiten, lade ich dich ein, raus zu gehen und die letzten Sonnenstrahlen zu genießen. Sonne tut gut, auch wenn du keine Photosynthese betreibst! 🙂