Quelle: watershedcounselingms.com

Ich denke so vor mich hin: Lars hat seine Hausaufgaben heute wieder gar nicht gemacht – volle Kanne ertappt wurde er! Und er hat eine 5 in der Klassenarbeit geschrieben. Und überhaupt, was er sich heute wieder geleistet hat! Alle Achtung, das ist schon echt der Hammer! Soweit würde ich nie gehen! Er ist wirklich sowas von unverschämt und frech zu unserem Lehrer. Und sowieso denkt er immer, er sei der Oberheld und merkt gar nicht, wie nervig ihn alle finden.

Nach der Schule fahre ich mit dem Bus nach Hause und rede mit meinen Kumpels noch darüber, wie megapeinlich unser Religionslehrer heute wieder war und wie stolz ich darüber bin, dass ich es geschafft habe, ohne zu lernen mit mehreren Spickzetteln eine 2 in der Klassenarbeit zu schreiben. Und natürlich mussten wir noch auswerten, wie völlig daneben sich Lars heute wieder angestellt hat. Wir kamen zu dem Schluss, dass er sowieso in seiner Zukunft nicht über den anspruchsvollen Job eines Hartz IV-Empfängers hinauskommen wird und die Hälfte seiner jungen Jahre im Knast verbringen muss. Und das ist auch der beste Ort für so einen Chaoten…

Als ich dann nach dem Abendbrot und abendlichen Fernsehprogramm noch schnell meine Bibellese für den Tag „nachholen“ will, ist an diesem Abend dieser Text dran:

„Jesus aber ging zum Ölberg. Früh am Morgen war Jesus wieder im Tempel. Das ganze Volk versammelte sich um ihn, und er setzte sich und begann zu lehren.
Da kamen die Schriftgelehrten und die Pharisäer mit einer Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte, sodass jeder sie sehen konnte. Dann wandten sie sich an Jesus.
„Meister“, sagten sie, „diese Frau ist eine Ehebrecherin, sie ist auf frischer Tat ertappt worden. Mose hat uns im Gesetz befohlen, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du dazu?“
Mit dieser Frage wollten sie Jesus eine Falle stellen, um dann Anklage gegen ihn erheben zu können. Aber Jesus beugte sich vor und schrieb mit dem Finger auf die Erde.
Als sie jedoch darauf bestanden, auf ihre Frage eine Antwort zu bekommen, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: „Wer von euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein auf sie werfen.“ Dann beugte er sich wieder vor und schrieb auf die Erde.
Von seinen Worten getroffen, verließ einer nach dem anderen den Platz; die Ältesten unter ihnen gingen als Erste. Zuletzt war Jesus allein mit der Frau, die immer noch dort stand, wo ihre Ankläger sie hingestellt hatten.
Er richtete sich auf „Wo sind sie geblieben?“, fragte er die Frau“ Hat dich keiner verurteilt?“
„Nein, Herr, keiner“, antwortete sie. Da sagte Jesus: „Ich verurteile dich auch nicht; du darfst gehen. Sündige von jetzt an nicht mehr!“
Johannes 8, 1-11 NGÜ

Nach dem Lesen merke ich, wie mir blitzartig das Gespräch mit meinen Kumpels durch den Kopf geht und ich mich auf einmal fühle wie diese Schriftgelehrten, die froh darüber sind, endlich jemanden gefunden zu haben, der sehr offensichtlich viel schlimmer ist als sie selber!! Sie fühlen sich dadurch besser und wollen ein verdientes Urteil durch Jesus für diese Frau. Sie wurde doch sogar auf frischer Tat ertappt!! Am Ende merken sie, dass keiner von ihnen Jesus etwas verheimlichen kann: Er sieht ihnen ins Herz und kennt alle ihre Gedanken.

Jetzt fühle ich mich auf frischer Tat ertappt: So wie bei den Schriftgelehrten, sieht er auch mir direkt ins Herz und kennt alle meine Gedanken von heute und auch mein Reden hinter dem Rücken…Mir fallen noch die Verse ein:

„Denn der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, aber der Herr sieht auf das Herz!
1.Samuel 16,7                               

„Nichts was verborgen ist, bleibt verborgen; alles wird ans Licht kommen. Und nichts, was geheim ist, bleibt geheim; alles wird bekannt gemacht werden. Darum: Was ihr im Dunkeln sagt, wird am hellen Tag zu hören sein, und was ihr jemand hinter verschlossenen Türen ins Ohr flüstert, wird in aller Öffentlichkeit verkündet werden.“
Lukas 12, 2-3

Ich bin erschrocken, wie mich dieser Gedanke beunruhigt, denn es gibt vieles in meinem Herzen und in meinen Gedanken oder im Reden was lieber niemand wissen sollte. Ich würde mich sehr schämen und hätte Angst vor dem Urteil der Menschen über mich, da ich ja weiß, dass ich über Menschen auch permanent urteile. Ich merke also, wie ich mich vor meinem eigenen Verhalten fürchte…

Ich weiß, dass Jesus mich nicht verurteilen wird, weil ich sehe, wie er mit der Frau in der Geschichte umgeht. Er hat alle meine Schuld am Kreuz schon im Voraus bezahlt und mich gerettet von allem, was mich von ihm trennt.

Weil Jesus mich nicht verurteilt, will ich mit Gottes Hilfe lernen z.B. auch Lars nicht zu verurteilen, und ich habe erkannt, dass ich im Verborgenen genauso “ gemeine Dinge“ zu bieten habe wie er und kein Recht dazu habe, mich über ihn zu stellen, nur weil sein Verhalten offensichtlicher schlecht  ist. Wenn Leute nämlich sehen würden, wie es bei mir in meinen Gedanken aussieht, na dann Gute Nacht…! Ich brauche Gottes Liebe und Vergebung genauso wie Lars. Wie gut, dass der folgende Vers stimmt:

„Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richtet, sondern dass die Welt durch ihn gerettet wird.“
Johannes 3,17

Let’s Talk:
+ Was könnte die Person aus der Geschichte beim nächsten Mal anders machen, wenn seine Kumpels wieder über Lars herziehen wollen?
+ Wie könnte er versuchen Lars weiterzuhelfen?
+ Gibt es bei Dir eine Person an der Schule/ in der Klasse, die du einfach nicht ausstehen kannst und über die du auch immer wieder schlecht redest/schlechte Gedanken hast? Warum ist das so?
Ein Geheimnis: Wenn wir anfangen für diese Leute zu beten, dann verändern sie sich nicht unbedingt, aber meine Herzenseinstellung verändert sich denen gegenüber. Das ist ein echtes Wunder! Probiere es doch mal aus!

Viel Segen dabei wünscht dir von Herzen dein AK Nordost!