Alle Christen, ob Evangelisch, Katholisch, Freikirchlich oder Orthodox beten das Vaterunser. Das Gebet verbindet alle Konfessionen miteinander. 

Warum eigentlich? Ich bin in einer traditionellen Gemeinde aufgewachsen und durfte dieses Gebet sogar im Konfi-Unterricht auswendig lernen. In der Zwischenzeit habe ich es bestimmt schon unzählige Male gebetet. Manchmal passiert es mir, es als eine lästige Pflicht zu sehen und darüber nicht nachzudenken. Jedoch steht in diesem 30 Sekunden langen Gebet (perfekt um Corona-konform seine Hände zu waschen) viel mehr drin als mir manchmal oberflächlich erscheint. Dieses schlichte Gebet behandelt die Grundbedürfnisse des Menschen gegenüber Gott kompakt und tiefgehend. Wenn uns die Worte fehlen, können wir auf das Vaterunser zurückgreifen. Deshalb werden wir uns in den nächsten 10 Andachten mit dem Vaterunser beschäftigen. 

Das Vaterunser steht in Matthäus 6, 9 – 14. Es steht im Zusammenhang mit der Bergpredigt. Hier stand Jesus auf einem Berg um seine Jünger und eine Menschenmenge zu lehren (Matthäus 5,1). In den Versen vor dem Vaterunser (Matthäus 6,5-8) erklärt Jesus, wie wir beten sollen: im Verborgenen, ohne leere Worte aneinander zu reihen. Denn Gott weiß, was auf unserem Herzen ist. Er sieht uns. 

„Vater unser im Himmel“ ist der Eingangssatz. Hier ist der Empfänger des Gebetes gemeint: Vater – Gott. Gott, der unser Vater sein möchte. Aber was oder wie ist ein Vater eigentlich? Klar, an sich eine einfach Frage – oder? Wir haben alle einen Vater: einen leiblichen Vater. Also jemanden, der uns gezeugt hat. Uns meistens auch erzogen hat und eine Beziehung zu uns genießt. Aber nicht jeder hat einen Vater, der im Leben präsent ist. Vielleicht ist er beruflich sehr eingespannt und hat keine Zeit für dich. Oder er lebt nicht mehr mit deiner Familie, oder er ist schon vor deiner Geburt gestorben… Das Bild was wir von einem – unserem – Vater haben beeinflusst auch unsere Gottesbeziehung. Manchen fällt es deshalb leicht, Gott als ihren Vater anzunehmen. Manchen eher nicht. 

Wir dürfen bzw. müssen uns von dem Bild, das wir von unserem Vater haben, lösen. Insbesondere dann, wenn wir schlechte Erfahrungen mit unserem eigenen Vater gemacht haben. Was wünscht du dir für einen Vater? Auch in der Bibel gibt es unzählige Vatergeschichten, z. B. die vom verlorenen Sohn (Lukas 15, 11-31).

Gott möchte unser Vater sein. Ein Vater, zu dem man jederzeit kommen kann. Ein Vater, dem man alles erzählt, insbesondere seine ganze Schwäche und seine Fehler. Er versorgt und lehrt uns. Gott liebt uns bedingungslos, so wie wir sind. Er hat uns nach seinem Ebenbild geschaffen (1. Mose 1,27). Wir sind sein.

Zum Weiterdenken und Handeln:

  • Höre dir/ Hört euch das Lied „good, good Father“ von Chris Tomlin an. Mit was verbindest du einen Vater? 
  • Fällt es dir leicht, Gott als deinen Vater anzunehmen? – Wenn nicht – was hindert dich daran? 
  • „Abba“: Wie redet Jesus über seinen Vater? Lese Lukas 15. welche Eigenschaften beschreibt er?
  • Bete konkret: Gibt es Dinge, die dein leiblicher Vater getan hat, die du ihm vergeben möchtest? Bringe diese doch vor Gott.