Warum eigentlich Brot? Das dachte ich mir früher als Kind öfters, wenn wir im Gottesdienst das Vaterunser gebetet haben. Ich mochte Brot nämlich noch nie so richtig. Warum bitten wir nicht um Kekse? Oder um Kuchen? Dass ich mir diese Frage gestellt habe, zeigt zum einen, dass ich ein ziemlich verwöhntes Kind war, und zum anderen, dass es sich lohnt, sich diesen Satz mal ganz genau anzuschauen.

  • Unser … uns

Ist dir das schon mal aufgefallen? Das ganze Vaterunser ist in der „Wir“-Form geschrieben, so natürlich auch diese Zeile. Und wie ist der Anteil „Wir“ und „Ich“ in deinen Gebeten? Ich bin ganz ehrlich… das „ich“ kommt ziemlich häufig vor. So bringt uns Jesus aber das Beten nicht bei. Natürlich dürfen wir mit unseren persönlichen Anliegen immer zu Gott, unserem Vater kommen. Aber ich soll auch nicht nur darum bitten, dass ich selber gut über die Runden komme. Sondern ich soll das Wohl meiner Mitmenschen im Blick haben. Ich soll also auch für meine Gemeinde mitbeten, für meine Freunde, aber auch für alle anderen Menschen in meinem Leben. Eigentlich besteht kein Grund, die Bitte um Versorgung nicht auch mit Blick auf alle Menschen auf der Welt auszusprechen, oder?

  • Tägliches Brot

Was ist eigentlich das „tägliche Brot“? Die Elberfelder Übersetzung erklärt, dass das für den heutigen oder folgenden Tag nötige Brot gemeint ist. Die Zürcher Bibel, die sehr nahe am Ursprungstext bleiben will, übersetzt dann auch direkt: „Das Brot, das wir nötig haben, gib uns heute!“. Die Betonung liegt im Vaterunser also ganz klar auf dem, was wir zum Leben brauchen. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Gott verspricht uns nicht, dass wir auf dieser Welt immer jeden Genuss erleben werden. Ganz im Gegenteil sogar – wir müssen auf so manches verzichten. Aber Gott verspricht uns, dass er uns immer das gibt, was wir brauchen. Mehr tut uns gar nicht unbedingt gut, auch wenn wir das vielleicht denken. Es lenkt uns viel zu oft von den wirklich wichtigen Dingen ab. Deshalb bitten wir im Vaterunser nicht um Waffeln. 😉

  • Heute

Nur ein paar Verse nach dem Vaterunser bei Matthäus sagt Jesus: „Seht euch die Vögel an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln keine Vorräte, und euer Vater im Himmel ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?“ (Matthäus 6,26 – NGÜ). Und deshalb bitten wir übrigens auch nicht um einen Monatsvorrat Dosenfleisch. Wir sollen üben, auf Gott zu vertrauen. Jeden Tag aufs Neue! Tu ich das schon, oder sichere ich mich nicht immer lieber nochmal ab?

+ Reicht dir das tägliche Brot? Oder willst du eigentlich mehr? Warum?

+ Versuche mal, ein ganzes Gebet nur in der „Wir“-Form zu beten! Du wirst merken, auch der Inhalt wird sich ändern…

+ Tust du etwas dafür, dass andere Menschen ihr tägliches Brot bekommen?