Stell Dir vor, es ist Silvester. Weit nach Mitternacht geht die Stimmung der Partygäste allmählich durch die Decke und vollmundig bekundet der erste Partygast, sich schon morgen im Fitnessstudio anzumelden. Die anderen wollen dem natürlich in nichts nachstehen und der nächste Gast bekennt sich ab sofort als Nichtraucher und irgendwo in einer Ecke murmelt jemand etwas von gesunder Ernährung. Diesmal aber ganz bestimmt! Ausnahmen wird es nicht geben! Dieses Mal nicht!

Doch natürlich kommt es, wie es kommen muss. Das neue Jahr nimmt seinen Lauf und schon nach der ersten Woche und einem Probetraining, einer langen Partynacht mit Freunden und einem stressigen Alltag sind alle guten Vorsätze verflogen.

Kennt ihr das? Also ich zumindest kann wirklich ALLEM widerstehen – nur der Versuchung nicht.

Was drücken wir also mit unserer Bitte im Vaterunser aus?

Als Jesus einmal nach dem wichtigsten Gebot der Bibel gefragt wurde, antwortete er mit dem Doppelgebot der Liebe. Dieses Doppelgebot fasst die 10 Gebote zusammen und soll uns verdeutlichen, dass die Liebe zu Gott und die Liebe zu unseren Mitmenschen gleich wichtig ist.

Das höchste Gebot ist das:

„Höre, Israel,

der Herr, unser Gott, ist der Herr allein,

und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben

von ganzem Herzen, von ganzer Seele,

von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft“ (5. Mose 6,4-5).

Das andre ist dies:

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (3. Mose 19,18).

Es ist kein anderes Gebot größer als diese.

(Markusevangelium 12,29-31)

Vor dem Hintergrund der Gebote dreht sich die Frage nach der Versuchung also nicht um unsere täglichen Schwierigkeiten mit der Einhaltung unserer eigenen Vorsätze, die uns nur selbst nutzen sollen. Vielmehr geht es darum, wie wir uns in unserem Bund mit unserem Schöpfer so stärken können, dass wir nicht versucht sind, den Bund mit ihm und unseren Mitmenschen zu verlassen.

Doch warum bitten wir den Schöpfer in unserem Gebet darum, er möge uns nicht in Versuchung führen? Würde das nicht bedeuten, dass es sein „Wille“ wäre uns zu versuchen?

In der Welt existiert nichts ohne sein Gegenteil. Zum Beispiel können wir ohne Licht keinen Schatten erkennen. Ohne das Licht und die Helligkeit würden wir die Dunkelheit gar nicht als solche erkennen. Deshalb stellt uns unser Schöpfer manchmal an einen dunklen Ort, an dem wir nichts erkennen können, außer uns selbst und unsere eigenen kleinen Bedürfnisse und Schwächen. Demgegenüber steht das Doppelgebot der Liebe, das Licht in diesem Fall. Das soll uns dazu verpflichten, aus uns selbst herauszugehen und die Nächstenliebe in die Tat umzusetzen. Wenn wir das tun und uns in Liebe an unsere Mitmenschen wenden, offenbart sich unser Schöpfer in den Beziehungen zwischen uns. Auf diese Weise offenbaren wir ihn vor dem Hintergrund unserer eigenen Natur wie schwarze Buchstaben auf einem weißen Blatt Papier und wir können plötzlich erkennen, was sein Ziel und was seine Natur ist.

Es geht also nicht darum, dass wir in Scham versinken, wenn wir in Versuchung geraten sind und plötzlich im Dunkeln stehen. Vielmehr kann uns mitten im Dunkel bewusstwerden, dass Jesus und sein Wort das Licht ist, das wir täglich benötigen. Und dann sind wir nur noch ein Gebet vom Licht entfernt 😊

Für euren SBK:

_Versucht nochmal in eigenen Worten wiederzugeben, warum es Versuchungen in dieser Welt gibt und was diese mit Gottes Liebe für uns zu tun haben. Das ist ein ganz besonderes Geheimnis! Es lohnt sich, es zu lüften.