Was ist das Böse? Es ist jedenfalls eines dieser Worte, was komisch klingt, wenn man es mehrmals hintereinander sagt… Schauen wir lieber, was der Duden zur Bedeutung ausführt:

-> moralisch schlecht, verwerflich bzw. schlecht, schlimm, übel

Wir sind uns also einig, dass es hier um etwas Schlechtes geht. Und wir bitten Gott im Vaterunser darum, dass er uns davon erlöst – uns also befreit. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie genau ich das verstehen kann… und ich glaube, beide treffen zu.

Nr. 1: Gott hilft mir heute, gegen das Böse zu bestehen.

Im Halbsatz direkt vorher bitten wir Gott, uns nicht in Versuchung geraten zu lassen. In der Art lässt sich auch die Erlösung vom Bösen verstehen: Dass Gott mir hilft, der eingetretenen Versuchung zu widerstehen. Der Kassierer im Supermarkt, der mir zu viel Wechselgeld herausgibt – gerade jetzt, wo ich so knapp bei Kasse bin. Oder mein Kumpel, der mich heute schon zum zehnten Mal anruft, weil er bei irgendwas Hilfe braucht, und ich einfach nur einen ruhigen Abend will. Ich weiß genau, was Gott jetzt von mir will – aber ich will genau das Gegenteil tun. Kennst du das auch? Ich darf aber Gott darum bitten, mir in solchen Situationen zu helfen, das Richtige zu tun. Dass ER mir hilft, den Egoismus, die Eifersucht, die Gier in mir zu überwinden. Diese Gedanken und Taten, die nicht dem entsprechen, was Gott von mir will, sind Ausdruck des Bösen. Eigentlich alles, was das Gegenteil von Nächstenliebe und Ehrfurcht vor Gott ist. Ich brauche mehr Kraft, als ich habe, um dem zu widerstehen! Deshalb bitte ich Gott: „Erlöse uns von dem Bösen!“

Nr. 2: Gott wird am Ende der Welt das Böse besiegen.

Als Christ glaube ich, dass es böse Mächte auf der Welt gibt. Davon geht auch Jesus fest aus – schließlich hat er unzählige Dämonen ausgetrieben, und wurde vom Teufel selbst in Versuchung geführt (s. Matthäus 4)! Der Teufel ist der Ursprung des Bösen in der Welt. Und dass er in dieser Welt noch ganz schön seine Finger im Spiel hat, merken wir bei jedem Blick in die Nachrichten. Aber das Coole ist: Wir dürfen schon wissen, dass Gott ihn am Ende der Zeiten besiegen wird. Das kannst du in der Offenbarung des Johannes (20,10) nachlesen. Die Stelle im Vaterunser erinnert uns daran, dass es eine böse Kraft gibt, aber auch daran, dass Gott stärker ist. Und wir bitten Gott jetzt schon mit Blick auf die Zukunft, nämlich das Ende der Welt: Erlöse uns dann von dem Bösen!

Egal, was das Leben dir so an Bösem entgegenwirft – Du kannst dir sicher sein: Gott ist stärker!

+ Hast du mal etwas richtig Böses miterlebt? Wie bist du damit umgegangen?

+ Kannst du dir eine Welt ohne Böses vorstellen?