„The Big Bang Theory“ ist eine sehr beliebte TV-Serie, in der das Zusammenleben von zwei genialen Physikern dargestellt wird. Nicht unbewusst wählten die Regisseure diesen Titel, da dieser eine der größten Fragen der Menschheit verbirgt. „Big Bang“ bedeutet aus dem Englischen übersetzt „Urknall“ und wird in der Kosmologie (Lehre des Weltalls) als Beginn des Universums bezeichnet. Vor circa 13,8 Milliarden Jahren (für alle Mathemuffel: 13.800.000.000) explodierte ein Punkt mit sehr viel Energie. Kurz danach begann die Entwicklung von Raum, Zeit und Materie. Diese Entwicklung wird als Evolution bezeichnet und findet unter anderem ihren Platz im Biologieunterricht.

Nun beinhaltet der oben genannte Titel ebenfalls das Wort „theory“. Der Begriff der Theorie kommt aus dem Griechischen und bedeutet etwas wie Spekulation, Anschauung oder Vermutung. Es gibt verschiedene Theorien und Vorstellungen von der Entstehung der Welt und wir wollen uns heute mit der oben genannten Evolutionstheorie auseinandersetzen und der Vereinbarkeit derer mit dem Glauben an einen Gott als Schöpfer der Welt.

Ganz am Anfang der Bibel (1. Mose 1,1–2,4a) wird von der Erschaffung der Welt erzählt. Falls du diese Schöpfungsgeschichte noch nicht kennst oder sie kaum mehr in Erinnerungen hast, nimm dir doch jetzt kurz einen Moment Zeit und lies sie durch. Es steht geschrieben, wie Gott innerhalb von 7 Tagen diese Welt geschaffen hat: Himmel, Erde, Licht, Dunkelheit, Land, Meer, Pflanzen, Sonne, Mond, Tiere, Menschen, Nahrung… Das Ganze klingt doch fast zu schön um wahr zu sein, oder? Teile dieser Geschichte können metaphorisch interpretiert werden. Dabei wird ein einzelner Tag eher als eine Zeiteinheit im Sinne Gottes angesehen anstelle von 24 Stunden auf die Sekunde genau.

Dennoch geht diese Geschichte über der Entstehung der Welt von einem Verlauf über die Zeit aus und scheint somit das komplette Gegenteil zum allumfassenden Urknall und der Evolutionstheorie zu sein. An was soll ich als Christ denn nun glauben? Muss ich mich entscheiden?

Wenn du dich bereits für eine entschieden hast, ist das völlig in Ordnung. Dennoch möchte ich dich ermutigen, dir ein Bild von der jeweils anderen Theorie zu verschaffen. Dazu möchte ich dir im Folgenden 5 Anschauungen christlicher Wissenschaftler vorstellen, die argumentieren, inwiefern sie die Evolutionstheorie mit der Schöpfungsgeschichte aus der Bibel vereinbaren können:

1. Die große Mehrheit aller christlichen Wissenschaftler hält Schöpfung (metaphorisch interpretiert) und Evolution für vollständig miteinander vereinbar. Viele vertreten dabei die Theistische Evolution. Das bedeutet, dass die Evolution nicht blind abläuft, sondern dass dahinter ein „intelligenter Uhrmacher“ steckt. Die bekanntesten Vertreter sind Francis Collins, der Leiter des Humangenomprojekts und Allister McGrath. Diese beiden waren früher übrigens mal Atheisten. Das lässt eventuell darauf hindeuten, dass sie für Fragen, für die die Wissenschaft einfach keine Antwort findet, eine höhere Macht (einen Gott) verantwortlich gemacht haben. Naturgesetze der modernen Wissenschaft können nicht jedes Phänomen der weiten Galaxien erklären. Doch dort, wo physikalische Gesetze aufhören zu funktionieren, ist Gottes Wirken unbegrenzt und unbegreiflich.

2. Evolution kann als Mechanismus angesehen werden, den Gott eingefügt hat. Somit können die Lebewesen auf der Erde langfristig überleben und die gesamte Biosphäre stirbt nicht durch eine jahrelange Hitzewelle oder Eiszeit aus. Darum passen sich Tiere den Umständen entsprechend an und entwickeln sich je nach Bedarf, zum Beispiel das Mammut zum Elefanten.

3. Evolution beschreibt nur den Mechanismus (die Handlung) und nicht den Agens (also denjenigen, der handelt). Das gilt auch für alle anderen Naturwissenschaften. Hier mal ein Vergleich: Newton, der an Gott glaubte (= Agens) erwartete deshalb, dass es feste Naturgesetze gibt, wie z.B. das Gravitationsgesetz (= Mechanismus). Stellt man sich die Frage, warum es überhaupt Evolution gibt, so wäre eine mögliche Antwort, dass Evolution ebenfalls wie die Gravitation ein Gesetz ist, welches von Gott als Gesetzgeber entworfen wurde.

4. Prof. Dr. William Lane Craig ist ein amerikanischer Theologe und argumentiert folgendes: Es spielt keine Rolle, ob Evolution wahr oder falsch ist. Eine abiotischeEntwicklung des Lebens bis zum Menschen wäre sehr unwahrscheinlich, da es zunächst die Existenz einer Zelle benötigt, damit sich ein Lebewesen daraus entwickeln kann. Die Wahrscheinlichkeit liegt zwischen (4-180)110000 und (4-360)110000, dass das passiert. Deswegen ist es für Craig irrelevant, ob die Evolutionstheorie stimmt oder nicht, da so eine wahnsinnig geringe Wahrscheinlichkeit für ihn nur durch ein Wunder passieren kann, welches ihn auf Gott schließen lässt.

5. Der Althistoriker Jürgen Spieß äußert sich wie folgt in Bezug auf den deutschen Philosophen Robert Spaemann: Selbst wenn die Evolutionstheorie wahr ist, gibt es immer noch gute Gründe daran zu glauben, dass der Mensch von Gott geschaffen ist. Die Evolution erklärt nämlich weder die Entstehung des Lebens noch die Herkunft des Bewusstseins. Ebenso wenig erklärt sie das Streben des Menschen nach Wahrheit und Gerechtigkeit. Besonders in Fällen der Lebensgefahr widerspricht menschliches Verhalten dessen, welches man ausgehend von der Evolution erwarten würde. Beispiele dafür sind die Geschwister Scholl im Dritten Reich und der Einsatz von Martin Luther King in Amerika. Ihnen war sehr bewusst, dass sie ungerecht behandelt werden und sie wehrten sich dagegen trotz des Wissens, dass sie früher oder später deswegen bestraft oder sogar getötet werden würden. Aus evolutionsbiologischer Sicht ergibt dieses Verhalten keinen Sinn, denn es widerspricht dem natürlichen Verhalten von Lebewesen zugunsten der eigenen Sicherheit und Fortpflanzung. Ebenso würde kein Zebra freiwillig zu einem Löwen gehen aus Gefahr der eigenen Sicherheit, aber genau dies tun manche Menschen. Wodurch entstehen also dieses Bewusstsein und der Geist des Menschen voller Wissen? Evolution als Antwort darauf wäre unlogisch: Wenn Individuen sich zwecks Wahrheit und Gerechtigkeit selbst aussortieren (natürliche Auslese), wie könnten dann derartige Gene vererbt werden? Die Träger der Gene sind ja nicht im Vorrang im Kampf ums Überleben.

Klingt vielleicht erstmal ganz schön kompliziert, oder? Diese Thematik ist sehr vielseitig und komplex, weshalb es sich lohnt bei Interesse sich noch tiefer damit auseinander zu setzen. Dazu kann man sich fachliche Vorträge von Experten anhören unter www.begruendet-glauben.org/naturwissenschaften/. Ebenso das Buch von John Lennox lesen mit dem Titel „Sieben Tage, das Universum und Gott: Was Wissenschaft und Bibel über den Ursprung der Welt sagen“.

Tausch dich in deinem SBK über deine Weltanschauung und deine Fragen aus. Dieses Thema ist eine der beliebtesten Fragen von Nichtchristen über den christlichen Glauben. Wir sollten immer bereit sein, Menschen ihre Fragen über den christlichen Glauben beantworten zu können. Von daher ist es wichtig, dass auch du dir deine Meinung zu diesem Themengebiet bildest.

Vielleicht ruft dieser Artikel aber auch mehr Fragen auf als du vorher hattest und du begreifst die Evolution oder den biblischen Schöpfungshintergrund einfach nicht. Sei nicht entmutigt, da bist du nicht alleine! Das menschliche Wissen ist begrenzt und wir können Gottes Größe gar nicht mit unseren kleinen Gehirnen verstehen. Aber es gibt Hoffnung: Gott hat dir einen Geist der Weisheit und der Wahrheit geschenkt! Und vor diesen kannst du in der Stille treten:

Bitte ihn im Gebet, dass
…er dir Verständnis schenken möge
…er dir persönlich in dieser Thematik begegnet
…du einen Bruchteil seiner wunderbaren Entstehung der Welt erkennen darfst
…du Frieden gewinnst über deine begrenzten Dimensionen und Perspektiven.

Denk dran, dass er das große Ganze im Blick hat und dir immer das zeigen wird, was du gerade genau wissen musst. Seine Allmacht ist nicht in eine Schublade zu stecken – und das ist auch gut so. 🙂

In Jesaja 55 spricht uns Gott direkt an, indem er uns auf unser begrenztes menschliches Wissen verweist, weshalb wir ihm in manchen Punkten einfach vertrauen dürfen (und manchmal auch müssen)…

Meine Gedanken – sagt der Herr – sind nicht zu messen an euren Gedanken und meine Möglichkeiten nicht an euren Möglichkeiten. So hoch der Himmel über der Erde ist, so weit reichen meine Gedanken hinaus über alles, was ihr euch ausdenkt, und so weit übertreffen meine Möglichkeiten alles, was ihr für möglich haltet.

Jesaja 55, 8-9

Lass uns Gott preisen und danken für seine Werke, wie in Psalm 92 steht »Herr, wie gewaltig sind deine Taten, wie unergründlich deine Gedanken! «

Seid gesegnet und ein Segen für andere (besonders in der momentanen Krisensituation)! 🙂