Selbst wenn du noch nie in Berlin warst, hast du sicher schonmal irgendwo ein Bild von ihm gesehen – dem Berliner Fernsehturm. 1969 am Alexanderplatz in Ostberlin, damals also von der DDR, erbaut, 368 Meter hoch – so weit die harten Fakten. Fast direkt nach Fertigstellung begann sich jedoch sowohl im Westen, als auch im Osten ein Spitzname für den Fernsehturm durchzusetzen, der der DDR-Führung überhaupt nicht gefiel: Sankt Walter. Was hat es damit auf sich?

Es ist eine kleine Geschichte, die für mich ein total starkes Symbol ist. Als der Fernsehturm 1969 zum ersten Mal von der Sonne angestrahlt wurde, leuchtete da plötzlich ein Kreuz auf. Und niemand der am Bau Beteiligten konnte sich das so recht erklären. Denn eigentlich müsste die Reflexion der Sonnenstrahlen ein ganz anderes Bild ergeben. Hoch über Berlin, am Prestigebauprojekt der DDR, leuchtete nun aber das christliche Symbol! Und das in einem Staat, der Religion aus der Bevölkerung verbannen wollte. Schnell entstanden einige spöttische Spitznamen für den Turm: „Rache des Papstes“, „Rache der Marienkirche“, oder eben „Sankt Walter“ – nach dem damaligen Staatsratvorsitzenden Walter Ulbricht.

Für die Regierung war das eine Blamage auf voller Linie. Es wurde geforscht, wie die Lichtbrechung verändert werden könnte, so dass das Kreuz verschwände – und eine Lösung wurde auch gefunden. Aber diese war wohl zu teuer. Das Kreuz blieb jedenfalls. Und es blieb Symbol für die Christen in der Diktatur: Gott steht über allem.

Heute muss ich jedes Mal schmunzeln, wenn ich zum Fernsehturm sehe und das Kreuz leuchtet. Ich danke Gott, dass er von keiner Regierung abhängt, sondern so viel größer und mächtiger ist, und sie alle für seine Zwecke gebrauchen kann. Aber es lässt mich auch immer daran denken, wie viele Christen auf der Welt heute noch ihren Glauben nicht frei ausleben können. Unterdrückung in China, Todesstrafe in arabischen Ländern und in Nordkorea… Organisationen wie Open Doors e.V. geben einen traurigen Überblick. Bete doch diese Woche für die mutigen Menschen, die Jesus nachfolgen, auch wenn es für sie im Alltag eine große Gefahr darstellt! Vielleicht auch dafür, dass Gott ihnen ein Zeichen sendet, dass er da ist – so wie damals durch den Berliner Fernsehturm.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Rache_des_Papstes