„Make America great again!“ (Wahlslogan – Donald J. Trump, 2016)

“Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten!“ (Bau der Berliner Mauer – Walter Ulbricht, 1951)

„Entweder Saddam rüstet ab oder die USA werden die Abrüstung vornehmen“ (Rechtfertigung des 2. Irak Kriegs – George W. Bush, 2003)

„Take Back Control!“ (Aktueller Slogan der Brexit Kampagne, 2019)

Sicherlich hat jeder von uns schon einmal einen der oben genannten Sätze gehört. Klar wird uns dabei, dass die Gemeinsamkeit solcher Aussagen darin liegt, dass sie einen Sachverhalt rhetorisch stark verkürzen oder absichtlich falsche Tatsachen vortäuschen, um bestimmte Stimmungen zu erzeugen, die den Absendern solcher Nachrichten zu eigenen Zwecken dienen.

Man könnte fast annehmen, dass diese populistischen Formulierungen eine Erfindung des 20. oder des 21. Jahrhunderts wären. Doch weit gefehlt! Unsere social Media sorgen einfach nur dafür, dass heute solche Botschaften in Bruchteilen von Sekunden überall auf der Welt von jedem Menschen empfangen werden können.

Bereits vor mehr als 900 Jahren nutzten politische Akteure dieses rhetorische Stilmittel aus, um ihre eigenen politischen Ziele zu verfolgen. Im Jahr 1096 begann die Geschichte der insgesamt 3 Kreuzzüge mit einer bewaffneten Pilgerfahrt. Aufgerufen dazu hatte Papst Urban II., der seine Macht im vorderen Orient ausbauen und Palästina einnehmen wollte. An dieser Stelle kann man sich natürlich fragen, wie es ausgerechnet einem Papst gelingen konnte das, seit dem Evangelium, pazifistisch geprägte Christentum in einen Krieg zu schicken?

Auch er setzte damals schon ein rhetorisches Stilmittel ein, indem er kurzerhand aus dem lateinischen „Malitia“ ein „Militia“ machte. Malitia war die damalige Bezeichnung der Ritter und bedeutet soviel wie „Bosheit“ oder „Unheil“. Der Begriff Militia bedeutet hingegen so viel wie Kriegsdienst oder Felddienst. So wurde aus dem einfachen Soldaten („miles“) der „miles christianus“, der fortan als Märtyrer in den heiligen Krieg zog und dem damit Ruhm, neue Besitztümer und Geld versprochen waren.

Bischof Bonizo von Sutri ging im Jahre 1190 sogar soweit, die Bergpredigt umzudichten und fügte ihr hinzu: „Selig sind die, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung ausüben.“ [1]

Wir alle wissen heute, dass die Bergpredigt ein zentraler Bestandteil des Evangeliums ist und eigentlich das genaue Gegenteil von Krieg und Verfolgung beinhaltet. Hier erklärt uns Jesus seine Sichtweise über den Umgang mit unseren Mitmenschen und wie wir uns untereinander so verhalten können, dass die Nächstenliebe zum zentralen Bestandteil unseres Handelns wird und Rache ausgeschlossen ist. Dies fasst er u.a. in 4 Forderungen zusammen:


„Wenn dich einer auf die linke Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“ (Matthäus 5,39)

„Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel.“ (Matthäus 5,40)

„Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm.“ (Matthäus 5,41)

„Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.“ (Matthäus 5,41)

Ich finde, dass es genau diese Forderungen sind, die wir denen entgegensetzen können, die unsere Meinung beeinflussen wollen, um für ihre eigenen, vielleicht fragwürdigen Ziele zu kämpfen. Denn genau das ist der revolutionäre Gedanke des Evangeliums, das uns darin ermutigt, die gängigen Maßstäbe einmal auf den Kopf zu stellen und alles auch einmal aus der Perspektive unserer Mitmenschen zu betrachten.

Wer nun noch wissen möchte, wie die Kreuzzüge ausgegangen sind – naja, nicht besonders gut. Sie endeten schließlich nach 400 Jahren damit, dass den Machtspielen von Richard Löwenherz tausende zum Opfer fielen und er dank seines eigenen Hochmuts in französische Gefangenschaft geriet. Für sein Lösegeld mussten die Engländer damals 100.000 Mark in Silber bezahlen, was 23 Tonnen entsprach und rund das doppelte Jahesaufkommen Englands umfasste. Damit war England praktisch pleite und Richard konnte nach England zurückkehren. Im Jahr 1199 wurde Richard bei einem seiner Raubzüge schließlich tödlich verwundet und der Chronist Roger von Hoveden beschließt dieses Kapitel mit den Worten: „In seinem Tod vernichtete die Ameise den Löwen. O Schmerz, in einem solchen Untergang geht die Welt zugrunde.“


[1] S. Buttinger, Panzerreiter und tugendhafte Höflinge, Damals 4/2014, S.18; zu dieser Problematik s. auch: G. Althoff, „Selig sind die, die Verfolgung ausüben“. Die abendländische Kirche sah in den Kreuzzügen einen „Krieg auf Befehl Gottes“, der in der von der Kirche verteidigten Kategorie des gerechten Krieges nochmals eine Sonderstellung einnahm (E.-D. Hehl, Die Kreuzzüge. Feindbild-Erfahrung-Reflexion, in: H.-J. Kotzur, S.245).