Ich bin eigentlich in einer Generation groß geworden, in der es beinahe wie eine Pflicht gewirkt hat, diesen Film mindestens einmal in seinem Leben gesehen zu haben. Keine Ahnung, was bei mir schief gegangen ist, aber bisher habe ich dieses wichtige Kulturgut (??) verpasst.
Die Geschichte kenne ich nur grob aus dem Trailer: eine heiratswillige junge Frau möchte endlich ihren Vater kennenlernen, damit dieser sie zum Altar führen kann. Problematisch an der Sache ist nur, dass für dieses Amt ganze 3 Männer in Frage kommen.
Neben all den Fragezeichen, die der Konflikt in der Folge aufwirft, ist Sophie die ganze Zeit über eines klar: wer ihre Mutter ist. Ihre Beziehung ist etwas ganz Besonderes.

Natürlich gibt es heutzutage eine große Variabilität an Beziehungsentwürfen, aber in den allermeisten Fällen ist einem jeden von uns sehr klar, wer unsere Mutter ist. Wir kennen sie, sie kennt uns. Sie hat uns aufgezogen. Wir haben unsere ersten Monate in ihrem Bauch verbracht. Da ist eine besondere Verbindung. Im Idealfall hat unsere Mutter uns beim Aufwachsen begleitet und uns eine gehörige Portion bedingungsloser Liebe entgegengebracht. Wir wissen, wer unsere Mutter ist.

In Jesaja steht ein schöner Vers, der vor einigen Jahren einmal Jahreslosung war:
„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ [Jesaja 66,13]

Zwei Dinge sind mir aufgefallen:

Gott wird hier mit einer (zugegebenermaßen etwas untypischen) weiblichen Charaktereigenschaft beschrieben und mit direkt mit dem Beziehungswort „Mutter“ verglichen. Dabei habe ich mir direkt diese Frage gestellt: Wir wissen ganz genau, wer unsere Mutter ist. Aber wissen wir auch wer Gott ist? Ich habe oft das Gefühl, dass ich ihn nicht so gut kenne, wie meine Mutter – und frustrierenderweise auf der Erde auch nie so gut kennen werde. Gott hält sich (im Vergleich zu meiner Mutter) oft sehr bedeckt, gibt sich nicht so recht zu erkennen. Weißt du, wer dein Gott ist?

Aus diesem Bild mit dem mütterlichen Vergleich lässt sich aber ebenso das Gegenstück ableiten: Eine Mutter kennt ihr eigenes Kind selbst wohl besser als jeder andere. Sie hat uns auf die Welt gebracht, wir kommen AUS IHR! Das ist bei Gott ebenso! Wir kommen AUS IHM. Wir sind durch ihn geschaffen, von ihm gewollt auf dieser Erde. Wahnsinn! Weißt du eigentlich, wer du in Gott bist?

Und was ich an dem Vers aus Jesaja noch so schön finde: Da geht es tatsächlich NICHT um den ersten Aspekt. Es geht gar nicht so sehr darum, dass ich irgendwie frustriert davon bin, dass ich nicht an meine Mutter herankomme. Es geht darum, dass Gott DA ist. So wie meine Mutter DA für mich ist. Es geht darum, dass ER mir Halt gibt, auch wenn ich Fragen habe (und vielleicht gerade dann). Es geht darum, dass er mich geschaffen hat, dass ich seine DNA in mir trage. Der Schreiber des Buches nennt hier die Mutter als Vergleich, weil sie für uns Menschen schlichtweg der Inbegriff von bedingungsloser Annahme ist. Genau das möchte Gott für uns sein. Möchte er für DICH sein. Lässt du es zu?

Fragen für dich persönlich und für den Austausch:

  1. Wie ist das Verhältnis zwischen dir und deiner Mutter? Wie kommt es dazu?
  2. Wie ist das Verhältnis zwischen dir und Gott? Wie kommt es dazu?
  3. Wo fällt es mir schwer, Gott als meine Mutter zu erkennen und anzunehmen?
  4. Wo fällt es mir schwer, mich als Kind Gottes zu erkennen und anzunehmen?
  5. Wo möchte GOTT dir in deinem Leben gerade Halt geben?

Apropos Mamma Mia: Heute ist Muttertag! Schon eurer Mutter euren über Dank in überschwänglicher Form kundgetan? Falls nicht, dann seid gewiss, dass sich Mama an jedem anderen Tag im Jahr vermutlich genauso über eine kleine Aufmerksamkeit von euch freut, wenn nicht sogar noch mehr, weil sie dann zusätzlich noch überrascht wird 🙂
Sagt eurer Mutter doch einfach mal, für welche Charaktereigenschaften an ihr, ihr besonders dankbar seid und was ihr an ihr schätzt. Wann habt ihr euch zuletzt von ihr getröstet und geborgen gefühlt?