Es ist Samstag Nachmittag. Eine kleine Menschengruppe geht durch das sonnenbestrahlte Pankow. Gemütliches Tempo. Ihre Blicke schweifen umher. Manchmal wird das Schweigen durch ein paar Sätze unterbrochen. Hinter ihnen stauen sich des Öfteren Fußgänger. Mit ihrem Spazierschritt sind sie Hindernis für die, die es etwas eiliger haben.

Ich bin Teil dieser Gruppe und mache gerade eine neue und superspannende Erfahrung. Gebetsspaziergang. Draußen unterwegs sein, nur mit dem Ziel, das wahrzunehmen, was um mich herum passiert und für die Dinge zu beten, die Gott mir aufs Herz legt.

Es ist schon faszinierend, was man so alles sehen kann, wenn man sich nur aufmerksam umschaut. Schillernde Farben, die unterschiedlichsten Menschen, Kinderlachen, verärgerte Mütter, konzentrierte Blicke auf Handys und Busfahrpläne. Eine Familie, die gerade auf dem Weg zu einem Geburtstagskaffeetrinken ist, ein Pärchen, was sich auf eine Fahrradtour aufmacht, unzählige Omas mit einer vielfältigen Bandbreite an Hunden.

Ich frage mich, was mir so alles entgangen ist in den vergangenen Monaten in Berlin. In den Momenten, wo ich, von Zeitdruck getrieben, von einem Ort zum Nächsten gehetzt bin. Wo ich auf mein Smartphone gestarrt habe oder so mit mir selbst und meinen Gedanken beschäftigt war, dass ich alles um mich herum ausgeblendet habe. Es überrascht und beschämt mich, wie viel ich in einer Stunde wahrnehmen kann von den Menschen um mich herum. An diesem heutigen Nachmittag macht das, was ich sehe etwas mit mir. Ich gehe ins Gebet, bitte um Heilung für Beziehungen und Bewahrung, teile großzügig Segen aus. Wünsche mir JESUS im Leben der Menschen, die ich erblicke.

Wie es wohl wäre, wenn so mein Alltag aussähe? Eins ist klar: Ich würde langsamer gehen. Vielleicht würde ich einmal mehr die Ampel auf rot springen lassen anstatt durch einen kleinen Sprinteinsatz noch die Grünphase abzupassen. Oder 4 Minuten für eine verpasste Ubahn in Kauf nehmen. Aber es ist noch mehr: Langsamer gehen. Das beschreibt nicht nur einer Art der Fortbewegung, sondern irgendwie auch eine Lebenseinstellung.

Wenn „Langsamer Gehen“ zu einer Einstellung wird, dann ist mein ganzes Leben anders fokussiert. Nämlich nicht mehr auf das Ziel, wohin ich unterwegs bin, sondern viel mehr auf das, was gerade um mich herum passiert.

Jesus ist mir ein großes Vorbild darin, sein Umfeld und seine Mitmenschen in den Blick zu nehmen. Er ging sogar so weit, dass er sein Ziel an diesem Tag überhaupt nicht mehr erreicht hat, weil es ihm wichtiger war, den Menschen um ihn herum in ihren Bedürfnissen zu begegnen.

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Geh doch mal mit diesem Gedankenanstoß in die neue Woche und versuche dich so oft, wie es geht daran zu erinnern, einfach langsamer zu gehen.

Vielleicht findest du ja sogar Zeit, eine Runde durch deine Schule oder deinen Stadtteil zu gehen und einfach nur zu Beten und Segen Gottes auszuteilen! Es lohnt sich!