Kennst du das, wenn du in der Bibel liest und an eine Stelle kommst, die du schon gefühlte hundert Mal in einer Predigt oder sonst wo gehört hast – sie dich aber plötzlich ganz neu berührt? Ich hatte so ein Erlebnis diese Woche mit der Geschichte vom verlorenen Sohn (Lk 15, 11-32). Ich weiß, die wirst du vermutlich in- und auswendig kennen. Aber vielleicht auch nur aus der Kindergottesdienst-Sicht von früher. Lass uns also nochmal genau drauf schauen. Jesus erzählt nach dem Lukas-Evangelium an dieser Stelle drei Gleichnisse, die alle für das selbe Thema stehen. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn ist dabei das provokanteste.

Ein Sohn geht also zu seinem Vater und will sein Erbe bereits jetzt ausgezahlt bekommen. Was schwingt dabei mit, wenn man so etwas zu seinem Vater sagt? Das Erbe gibt’s normalerweise nur, wenn er tot ist. Also sagt der Sohn gleichzeitig: „Du bist für mich gestorben!“ Hier können wir die erste Parallele zu unserem Leben ziehen. Verlangen wir nicht auch manchmal von Gott, dass er uns bereits jetzt etwas geben soll, was uns eigentlich noch nicht zusteht? Unsere Hoffnung ist, dass Gott uns das ewige Leben schenkt, wenn wir an Jesus und die Auferstehung glauben. Von einem angenehmen Leben hier auf der Erde, das ich mir im Gebet häufig wünsche, ist eigentlich nicht die Rede…Oft wenden wir uns dann lieber von Gott ab, um unser Leben zu „genießen“.

Und was passiert? Der Vater gibt dem Sohn seinen Erbteil. Keine Rede davon, dass er wütend wird. Oder ihn so damit konfrontiert, was das für Auswirkungen hat. Er akzeptiert den freien Willen seines Kindes. So wie Gott es auch tut! Er hat uns einen freien Willen gegeben, zu tun was wir wollen. Niemand ist gezwungen, nach Gottes Willen zu leben – auch wenn es einem am Ende nur gut tun würde! Lesen wir weiter…

Der Sohn verzockt in den nächsten Jahren aber sein ganzes Geld. Er hat die Sicherheit aufgegeben, bei seinem Vater zu bleiben – und fällt gehörig auf die Schnauze. Er ist so arm, dass er Schweine (die im Judentum unrein sind, also auf absolut unterster Stufe stehen!) hüten muss und nichtmal deren Essen bekommt, um seinen Hunger zu stillen. Als Christ verzichtet man auf so manchen Spaß, den die Welt zu bieten hat. Der Sohn hat sich bestimmt nicht schlecht gefühlt, als er so viel Geld zur Verfügung hatte. Wahrscheinlich hatte er so viel Spaß wie in seinem Leben nicht. Aber nichts davon war nachhaltig! Eines Tages wachte er auf und merkte, er hat nichts mehr davon. Sein Geld war weg, und alles, was er davor erlebt hatte, war jetzt hinfällig. Er musste ganz schön dafür büßen, dass er sich komplett auf sich und seine Finanzen verlassen hat… So sollten wir uns auch bewusst machen, dass es gut ist, wenn wir nicht jeden Mist in der Welt mitmachen. Der kann zwar Spaß machen – aber auf Dauer gesehen wird es uns nichts bringen. Nur Gott kann unserem Leben Sinn geben – über den Tod hinaus!

Der Sohn weiß sich nicht mehr zu helfen. Er ist so verzweifelt, dass er die Schmach auf sich nimmt – und zu seinem Vater zurückkehrt. Er will ihm sagen, dass er einsieht, dass er Mist gebaut hat. Und ob er vielleicht für ihn arbeiten darf. Als der Vater ihn aber sieht, rennt er auf ihn zu und umarmt ihn! Das heißt, 1. er muss bereits auf ihn gewartet haben… sonst hätte er ihn ja kaum von weitem kommen sehen und erkannt. Und 2., ihm ist in dem Moment völlig egal, was die anderen denken. Für einen erwachsenen Mann war es damals völlig lächerlich, zu rennen… Was für den Vater zählt: Sein Sohn ist wieder bei ihm. Er hat erkannt, dass er einen Fehler gemacht hat, als er sich von ihm abgewendet hat. Und er will jetzt bei ihm bleiben. So freut sich Gott über jeden, der seine Sünden ehrlich einsieht und vor Gott zugibt. Der mit ihm sein Leben führen will! Egal, wie viel Mist man schon so gebaut hat… Gott feiert eine Party, wenn man zu ihm zurückkommt!

Der andere Sohn findet das unfair…warum feiert der Vater jetzt ne Party für den, der so fies zu ihm war? Er selber ist dageblieben, hat so gelebt wir der Vater das wollte… und für ihn gab’s nie ein tolles Festessen. Als der Vater das merkt, nimmt er sich Zeit, zum anderen Sohn zu gehen. Er hat ihn in dem ganzen Trubel nicht vergessen! Er sagt ihm, dass ihm doch schon alles gehört. Und er bittet ihn, sich zu freuen, dass sein Bruder jetzt auch wieder ein gutes Leben führen kann – so wie er das schon die ganze Zeit durfte. Wenn wir selber schon Christen sind, sollen wir uns über jeden freuen, der sich auch zu Gott bekennt – ohne Eifersucht! Wir können schließlich glücklich sein, schon zu Gott zu gehören!

Ich hoffe, bei diesem Klassiker konntest du den einen oder anderen neuen Gedanken entdecken. Ich wünsche dir, dass du diese Woche ganz bewusst in deinem Leben spüren kannst, dass Gott dich so sehr liebt, wie der Vater in der Geschichte seine -beiden- Söhne!