„Hätte Jesus für das Klima Schule geschwänzt?“ war die Frage, die wir bei Youth United letztes Wochenende ganz provokant den Besuchern unseres Standes in der „Gemeinde auf dem Weg“ in Berlin gestellt haben. Das Ergebnis war überraschend ausgeglichen, die Frage an sich aber sehr polarisierend…


Auch wenn das Thema momentan gerade durch die Europawahl, Fridays for Future oder Rezo mit der Zerstörung der CDU brandaktuell ist, hat sich sogar Papst Franziskus schon 2015 ziemlich ausführlich in einem Brief mit dem Thema auseinandergesetzt, der eigentlich für alle Christen sehr spannend zu lesen ist:

„Laudato Si“ – „gelobt seist du“ ist der Titel dieses vor ziemlich genau vier Jahren verfassten Briefes, in dem Papst Franziskus unsere Welt mit einem Haus vergleicht, in dem alle Bewohner gemeinsam anpacken müssen, um es in Ordnung zu halten. Auf spannende Weise beschreibt er im dort beschriebenen Konzept der „ganzheitlichen Ökologie“ eine untrennbare Bindung von zwischenmenschlichen Beziehungen und dem Wohlergehen unserer Umwelt. Einerseits kann eine Bewahrung der Schöpfung mit einer gespaltenen Gesellschaft nicht gelingen, andererseits bringt die Zerstörung der Umwelt auch negative Folgen für das internationale Zusammenleben mit sich. „Es gibt nicht zwei Krisen nebeneinander, eine der Umwelt und eine der Gesellschaft, sondern eine einzige und komplexe sozio-ökologische Krise“ ist demzufolge seine Schlussfolgerung.

Doch nur festzustellen, dass es bergab geht, haben schon viele Autoren geschafft, weswegen der Kern seines Briefes in den letzten beiden Kapiteln insbesondere in zwei Handlungsfeldern sichtbar wird: Dialog und Bildung.

Dialog bedeutet dabei für ihn eine ehrliche und transparente Debatte zu führen, damit das Gemeinwohl wieder über dem Interesse Einzelner steht. Bildung erachtet er gerade deshalb als wichtig, weil nur das Verstehen der Hintergründe hilft, eigene Muster und Gewohnheiten zu ändern.

Spannend daran ist, dass es dabei viele Parallelen zum Leben und Handeln von Jesus gibt: „Denn es hat Gott gefallen, alle Fülle in ihm wohnen zu lassen und durch ihn alles zu versöhnen zu ihm hin, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz“ (Kol 1,19-20). Ob Jesus nun an Fridays for Future teilgenommen hätte, ist für uns als Frage also eigentlich viel zu klein gedacht. Vielmehr sollten wir von seiner Weise, Beziehungen zu leben und von seiner Art der Lehre und Kommunikation lernen, wie wir gemeinsam etwas positives bewirken können. „Die Menschheit besitzt noch die Fähigkeit zusammenzuarbeiten, um unser gemeinsames Haus aufzubauen“ ist eine der Feststellungen von Papst Franziskus und gibt uns zum Schluss seines Briefes das „Gebet für unsere Erde“ mit, das dich ja vielleicht durch die Woche begleiten kann:

Allmächtiger Gott,
der du in der Weite des Alls gegenwärtig bist
und im kleinsten deiner Geschöpfe,
der du alles, was existiert,
mit deiner Zärtlichkeit umschließt,
gieße uns die Kraft deiner Liebe ein,
damit wir das Leben und die Schönheit hüten.

Überflute uns mit Frieden,
damit wir als Brüder und Schwestern leben
und niemandem schaden.
Gott der Armen,
hilf uns,
die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,
die so wertvoll sind in deinen Augen,
zu retten.

Heile unser Leben,
damit wir Beschützer der Welt sind
und nicht Räuber,
damit wir Schönheit säen
und nicht Verseuchung und Zerstörung.
Rühre die Herzen derer an,
die nur Gewinn suchen
auf Kosten der Armen und der Erde.

Lehre uns,
den Wert von allen Dingen zu entdecken
und voll Bewunderung zu betrachten;
zu erkennen, dass wir zutiefst verbunden sind
mit allen Geschöpfen
auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.

Danke, dass du alle Tage bei uns bist.
Ermutige uns bitte in unserem Kampf
für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.

Den kompletten Brief kannst du hier lesen!