Ausbildung oder Studieren? Fsj oder Freiwilligendienst im Ausland? Studieren in Greifswald oder doch in Berlin? Soll ich mich in der Gemeinde mehr engagieren? Die Jobanfrage zur Nachhilfe annehmen? Hausaufgaben machen oder Oma besuchen? Ja oder Nein sagen? Was ist eigentlich Gottes Auftrag für mich?

Wer kennt sie nicht? Die vielen großen und kleinen Fragezeichen, die sich auf dem Lebensweg auftun. Sie können manchmal nur situationsbezogen und langfristig ziemlich irrelevant sein, andere sind aber doch ziemlich zentral und richtungsweisend für unser Leben.

Im Idealfall frage ich diese Fragen vor allem im Bezug darauf, ob es Gottes Wille ist, diese oder jene Sache zu tun – oder sie eben bleiben zu lassen. Aber selten genug ist selbst dieses „Nach Gottes Willen fragen“ noch um einiges frustrierender als auf menschliche Wegweiser zu achten und andere Leute im Umfeld um ihre Meinung zu bitten. Viel zu oft nimmt Gott eine scheinbar gleichgültige Position ein. Vielleicht antwortet er überhaupt nicht auf meine Gebete. Oder seine Hinweise sind mir zu unkonkret. Immer wenn ich im neuen Testament lese, dann beneide ich die Menschen ein wenig, die mit Jesus unterwegs sein konnten. Sie hatten ihn einfach immer bei sich und konnten ihn bei ihren großen und kleinen Alltagsproblemen um Rat bitten.

Aber fündig geworden in meiner Ratlosigkeit, warum Gott manchmal so passiv und gleichgültig scheint, bin ich im alten Testament. Ein Mann, der unfassbar viel verloren hat und allen Grund hatte, mit Gott zu hadern bekommt von einem seiner guten Freunde einen sehr zentralen Satz gesagt, der meine – und vielleicht auch deine – Herangehensweise ein wenig auf den Kopf stellt:

„12 Siehe, darin hast du nicht recht, muss ich dir antworten; denn Gott ist mehr als ein Mensch. 13 Warum willst du mit ihm hadern, weil er auf Menschenworte nicht Antwort gibt? 14 Denn auf eine Weise redet Gott und auf eine zweite; nur beachtet man’s nicht.“ (Hiob Kap 33)

In meinen Fragen und Zweifeln passiert es mir wohl oft, dass ich Gott auf eine allzu menschliche Stufe herabsetze und von ihm eine dieser Stufe angemessene menschliche Antwort erwarte. Mir ist dabei wohl einfach nicht bewusst, dass ich damit den fatalen Fehler begehe, einen grenzenlosen Gott in mein grenzenlos limitiertes Denken zu pressen. Es ist ganz klar, wer in dieser „Anklage“ den Kürzeren ziehen muss.

Ich muss mir einfach immer wieder bewusst machen, dass Gott REDET. Auf die ein oder andere Weise. Und das ich einfach nicht sensibel und offen genug dafür bin, sein Reden in SEINER Art und Weise auch tatsächlich wahrzunehmen, weil ich viel zu lange darauf warte, dass er auf MEINE Art antwortet.

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Deine Aufgabe für die kommende Woche:

Setze dich doch einmal hin und schaue ganz bewusst zurück: Wo hat Gott in der Vergangenheit zu dir gesprochen? Auf welche Weise hast du ihn reden hören und wie kannst du dir sicher sein, dass ER es war?

An welchen Stellen in deinem Leben stehst du gerade vor Entscheidungen und wünscht dir, dass Gott dir einen Weg weist. Oder wo wünscht du dir einfach eine klare Berufung, einen Auftrag für dein Leben?

Wie kannst du ganz konkret trainieren, Gottes Reden in den Fokus zu nehmen? Vielleicht hilft es dir, einfach mal 15 Minuten täglich nur in Stille vor Gott zu kommen. Einfach hören, ohne selbst zu beten. Vielleicht betest du mal gemeinsam mit deinem Pastor. Oder du gehst einfach mit offenen Augen durch deinen Alltag und bist gespannt, worauf Gott selbst deinen Blick und deinen Fokus lenkt. Und vielleicht liegt darin schon die ersehnte Antwort verborgen.