Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit (Gal 5, 22 f.).

Wer unsere Input-Rubrik aufmerksam verfolgt (oder die Überschrift gelesen hat), wird sich schon denken können, worum es heute geht: Nummer 6, die Güte. Spannenderweise steht dieses Wort so auch in jeder der zehn Bibelübersetzungen, die ich gecheckt habe. Vielleicht bin ich ja trotzdem nicht der einzige, dem gar nicht so klar ist, was mit diesem Wort eigentlich gemeint ist.

Der Online-Duden definiert die Bedeutung als „freundlich-nachsichtige Einstellung gegenüber jemandem“. Als Wörter mit gleicher oder ähnlicher Bedeutung werden Freundlichkeit, Barmherzigkeit und Entgegenkommen genannt; außerdem auch Wärme und Gutmütigkeit. In unserem Rechtssystem gibt es übrigens noch den Begriff der „Güteverhandlung“. Grundsätzlich gibt es die am Beginn von jedem Gerichtsprozess, in dem sich zwei Privatpersonen gegenüber stehen. Dort wird dann versucht, den Streit durch einen Vergleich beizulegen. Das passt besonder gut zu der Definition der Güte als „Entgegenkommen“, oder? Zwei Personen, die sich streiten, aber dann einander entgegenkommen, um sich in der Mitte zu treffen und eine gemeinsame Lösung zu finden.

In der Auflistung im Galaterbrief scheint mir genau dieser Aspekt das Alleinstellungsmerkmal der Güte zu sein. Sie geht buchstäblich nochmal einen Schritt weiter als die bloße „Freundlichkeit“. Es geht darum, auch mal vom eigenen Standpunkt abzurücken. Auf den Gegenüber zuzugehen, auch wenn man denkt, dass er überhaupt nicht recht hat. Mit dem Ziel, Frieden zu schaffen.

Was damit nicht gemeint sein kann, ist das Abrücken von der Guten Nachricht, die wir aus der Bibel wissen dürfen: Dass Gott seinen Sohn für uns auf die Welt geschickt hat, und dass er für unsere Sünden gestorben ist und wiederauferstanden ist. An dieser Wahrheit dürfen und müssen wir um jeden Preis festhalten, da sind alle Briefeschreiber in der Bibel klipp und klar.

Aber anders ist es mit den sonstigen Standpunkten, die mir im Leben so wichtig scheinen. Vielleicht in politischen Diskussionen auch mal einen Schritt auf die Klimaschützer zugehen. Oder die Klimaleugner, je nachdem. Oder meinen Eltern beim Tisch abräumen helfen, obwohl wir uns grade gezofft haben. Aber auch, wenn ich mit Freunden diskutiere, wer den letzten Schokobon in der Tüte haben darf. Ich glaube, mit Güte ist gemeint, dass wir uns selber nicht so wichtig nehmen. Dass uns wichtiger ist, dass unser Gegenüber sich von uns gewertschätzt fühlt. Und er spüren kann, dass wir irgendwie von einer riesigen Liebe erfüllt sind.

Ein Paradebeispiel von Güte in der Bibel ist die Geschichte vom verlorenen Sohn (Lukas 15, 11-32). Der Vater hätte wirklich Grund gehabt, seinen Sohn nicht wieder bei sich aufzunehmen. Er hatte ihn ganz schön verletzt, als er mit seinem Erbe vorab abgehauen ist. Aber was macht der Vater, als der Sohn, völlig mit der Welt am Ende, wieder auftaucht? Er kommt ihm nicht nur entgegen, er rennt ihm entgegen, um ihn zu umarmen! Das ist Güte in Extremform. Und Liebe. So ist Gott!

Aber mann, ich scheitere daran ganz schön oft! Ich finde meine Standpunkte und Meinungen immer ganz toll. Besonders dann, wenn die Person, mit der ich streite, mir schon so viel Unrecht getan hat. Kein Wunder, dass Paulus die Güte als eine „Frucht des Geistes auflistet“: Also als etwas, was wir nur dann bekommen können, wenn wir Gott darum bitten und unser Leben bewusst nach ihm ausrichten. Sonst würde es ja in der Welt auch nicht so auffallen. Es wird einen Unterschied machen, gütig zu sein. Einen Versuch ist es wert, oder?

Fragen für dich:

  1. Hast du gerade Streit mit jemandem? Wie könntest du der Person einen Schritt entgegenkommen? Was hält dich davon ab?
  2. Gegenüber welchen Personen fällt es dir besonders schwer, gütig zu sein?
  3. Bitte Gott um Güte! Jeden Tag aufs Neue.
  4. Kommst du drauf, was das Bild mit dem Thema zu tun hat?