Deutschland scheint zur Zeit aus achtzig Millionen Hobby-Virologen zu bestehen. Das ist faszinierend, weil die achtzig Millionen Hobby-Fußballtrainier, die im Sommer eigentlich während der Fußball-EM im Land gewesen wären, sich jetzt woanders niederlassen müssen. Die achtzig Millionen Bundespräsidenten sind nach wie vor zu hören. Aber die achtzig Millionen Flüchtlingsmanager, Wirtschaftsbosse und vor allem die achtzig Millionen Umweltminister… keine Ahnung, wo die abgeblieben sind.

Ich geb‘ es ja selber zu. Auch ich bin gut darin, über „die da oben“ zu motzen. Ich hätte da so ein paar Ideen, was ich natürlich ganz anders und viel besser machen würde. Sinnlose Entscheidungen würde es bei mir nicht geben, keine Frage. Und überhaupt macht es Spaß, sich darüber lustig zu machen, wenn schon wieder ein politisch durchgedrücktes Gesetz vom Bundesverfassungsgericht wegen eines Verstoßes gegen das Grundgesetz gekippt wird. Rebellisch bin ich deshalb aber auch wieder nicht. Manchmal frage ich mich sogar, wie viel Mut ich hätte, bewusst gegen ein Gesetz zu verstoßen, das ich für nicht richtig halte – wie ich mich wohl im Nazi-Deutschland 1933 verhalten hätte?

Aber wie steht eigentlich Gott zu diesem Thema „Obrigkeit“? Fordert er bedingungslose Loyalität? Oder Rebellion, sobald etwas gegen meine Glaubensüberzeugungen geht? Schauen wir doch einfach mal in die Bibel.

Jeder soll sich den Behörden und Amtsträgern des Staates unterordnen. Denn es gibt keine staatliche Macht, die nicht von Gott kommt; jede ist von Gott eingesetzt. Wer sich also den Regierenden widersetzt, handelt gegen die von Gott gegebene Ordnung und wird dafür von ihm verurteilt werden.  – Römer 13,1 f. (HfA)

Die vielleicht am zweithäufigsten zitierte Stelle zu diesem Thema. Ganz schön krass, was Paulus hier schreibt, oder? Jede staatliche Gewalt ist von Gott eingesetzt? Und deshalb soll ich mich unterordnen? Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich denke bei solchen Aussagen immer gleich an die Extrembeispiele – Diktaturen, Unrechtsstaaten, … – will Gott wirklich, dass wir hier bedingungslos Gehorsam leisten? Aber vielleicht müssen wir erstmal vom Normalfall ausgehen. Eine staatliche Ordnung ermöglicht uns erst das luxuriöse Leben, das wir hier führen. Sie schützt uns vor Anarchie, also dem Gesetz des Stärkeren. Und weil ich glaube, das Gott alles in der Hand hat, kann ich auch den Satz unterschreiben, dass jede staatliche Macht „von Gott kommt“ – schließlich könnte ER jeden Politiker daran hindern, in ein bestimmtes Amt zu kommen, wenn er denn wollte. Und wenn ich das glaube, muss ich eigentlich aufhören, ständig über „die da oben“ rumzunörgeln. Sie sind Kinder Gottes, genau wie ich, die Gott in eine bestimmte Position gestellt hat, um mir und den Menschen um mich herum ein gutes Leben zu ermöglichen. Und „unterordnen“ heißt nicht, dass ich in allen Dingen blinden Gehorsam leiste:

Wer gut und richtig handelt, braucht die staatliche Macht ohnehin nicht zu fürchten; das muss nur, wer Böses tut. – Römer 13,3 (HfA)

Aha! Paulus geht also davon aus, dass die staatliche Macht den Willen Gottes tut. Wenn sie das offensichtlich nicht tut, sondern „Böses“ tut, muss ich mich auch nicht unterordnen. Allerdings liegt die Beweislast dafür bei mir – ich muss mir schon ganz sicher sein, dass da etwas Gottes Willen ganz gehörig zuwider läuft.

Die am häufigsten zitierte Stelle kommt von Jesus selbst. Schriftgelehrte wollten ihm eine Fangfrage stellen.

„Ist es eigentlich Gottes Wille, dass wir dem römischen Kaiser Steuern zahlen, oder nicht?“

Sollen sie Steuern an den von ihnen verhassten römischen Staat zahlen oder nicht? Wenn Jesus sagt, sie sollen keine Steuern zahlen, wäre er ein Rebell, der sich nach römischem Recht direkt strafbar macht. Wenn er aber sagt, sie sollen Steuern zahlen, macht er sich beim Volk unbeliebt und erkennt die schlimme römische Herrschaft über Gottes Volk Israel an.

Jesus durchschaute ihre Hinterhältigkeit. »Ihr Heuchler!«, rief er. »Warum wollt ihr mir eine Falle stellen? Zeigt mir eines der Geldstücke, mit denen ihr die Steuern bezahlt!« Sie gaben ihm eine römische Münze. Er fragte sie: »Wessen Bild und Name sind hier eingeprägt?« Sie antworteten: »Die des Kaisers.« Da sagte Jesus zu ihnen: »Nun, dann gebt dem Kaiser, was ihm zusteht, und gebt Gott, was ihm gehört!« – Matthäus 22,17-21

Mir hilft diese Stelle auch bei unserer Frage, um die es heute geht. Ja, der Staat hat Autorität. Und ich soll grundsätzlich gehorchen, und dem Staat die Herrschaft ermöglichen. Aber die echte, letzte und größte Autorität liegt bei Gott. Ich soll dem Staat geben, was ihm gehört – nicht weniger, aber auch nicht mehr! Meine Loyalität muss immer bei Gott liegen. Deshalb darf ich auf keinen Fall alles unkritisch schlucken, was die Regierung so sagt und tut. Wenn der Staat von mir fordert, mich zu entscheiden zwischen dem Staat und Gott – dann muss meine Antwort klar und deutlich sein.

Ich hoffe aber, dass es gar nicht so weit kommt. Und dafür kann ich auch beten. Gerade in dieser Zeit, wo so viele schwierige Entscheidungen von den Politikern und ihren Beratern zu treffen sind, sollte ich für Weisheit beten, für Kraft und Mut. Das hat dann nichts mit blindem Gehorsam zu tun, sondern mit der Anerkennung von Gottes Macht über alle.

Also: Bete doch noch heute für die Entscheidungsträger in deiner Schule, deiner Stadt, deinem Landkreis, deinem Land! Vielleicht für jedes Mal Motzen in den letzten Wochen ein Gebet 😉