Wann warst du das letzte Mal so richtig ungeduldig? Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie quengelig ich als Kind sein konnte. „Sind wir schon dahaa?“ habe ich im Auto oft genug von der Rückbank gekräht. Später wartete ich dann ungeduldig auf den Release des PC-Spiels, auf das ich schon so lange wartete. Oder auf einen Kinofilm, von dem mir der Trailer so gut gefallen hatte. Und heute? Heute bin ich ungeduldig, wenn ich im Supermarkt an der Kasse stehe und der nette Opa vor mir seine Leberwurst mit Kupfergeld bezahlen möchte. Oder wenn mir für eine halbe Stunde die lieblich‘ Melodei der Warteschleife der Berliner Verwaltungs-Hotline ins Ohr säuselt. Wenn ich so darüber nachdenke, kann ich immer noch ganz schön quengelig sein.

Aber ist das überhaupt so schlimm? Warum ist „Geduld“ explizit als eine der Früchte des Geistes benannt? Man könnte ja sagen, dass Ungeduld nur zeigt, dass man sich sehr auf etwas in der Zukunft freut. Und als Christen haben wir etwas, worauf wir uns riesig freuen können: Dass Jesus wieder auf diese Welt kommen wird, und dass wir einmal bei Gott sein werden.

Das Problem ist, wenn die Wartezeit sehr lange wird. Wenn ich ewig auf einen Kinofilm oder ein PC-Spiel warte, verliere ich vielleicht irgendwann das Vertrauen, dass es jemals veröffentlicht wird. Ich verliere das Interesse und wende mich anderen Dingen zu. Schon davor bin ich wahrscheinlich pampig zu meinen Mitmenschen, wenn ich an die Wartezeit denke.

Und so ist das bei unserem Endziel als Christen auch: Das ist schon ganz schön lange her, seit Jesus das letzte Mal auf dieser Erde war. Nicht wenige Menschen haben da das Vertrauen verloren, das er überhaupt nochmal kommt. Und jetzt stell dir vor, dass du vor ca. 2.000 Jahren mit der Erwartung lebst, dass Jesus nur ein paar Jahre weg ist und dann schon wiederkommt. Und du in der Zwischenzeit aber für deinen Glauben an ihn verfolgt wirst, eingesperrt, gefoltert. Und du wartest und wartest und wartest…

Zu diesen Menschen schreibt Paulus im Römerbrief 12, 12: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“

Auch heute sollen wir uns nicht entmutigen lassen, wenn es uns mal nicht so gut geht. Wir sollen geduldig sein. Wenn wir geduldig sind, zeigt das:

  1. Wir halten an unserer Hoffnung fest.
  2. Wir halten auch schlimme Momente aus, weil wir wissen: Es wird besser werden. Und Gott ist auch in diesen Momenten mit dabei.
  3. Wir verlieren nicht unsere Fassung und behandeln die Menschen um uns mit Liebe.

Wie Benedikt so schön in seinem ersten Artikel zu den Früchten des Geistes geschrieben hat: Als Frucht des Geistes muss auch unsere Fähigkeit zur Geduld wachsen und reifen. Das kann sie nur, wenn wir im Gebet dranbleiben und jeden Tag neu Gott bitten, dass er uns dabei unterstützt, so zu leben wie er das will.

Lass dich also nicht entmutigen, wenn du mal wieder in der Warteschleife hängst. Unsere Hoffnung bleibt!

SBK-IDEEN:

  • In welchen Momenten fällt es dir am schwersten, geduldig zu bleiben?
  • Warst du schon mal ungeduldig mit Gott? Warum? Was hat dagegen geholfen?
  • Betet füreinander!