Kurz war ich ja versucht, bei dieser Andacht heute das C-Wort (ich meine NICHT Christus!) gar nicht zu verwenden. Bei mir setzt nämlich ehrlich gesagt schon eine ziemliche Genervtheit ein. Es scheint auf der Welt gerade kein anderes Thema mehr zu geben, was ja auch nachvollziehbar ist. Aber irgendwie habe ich das Bedürfnis nach ein wenig Normalität, zumindest im Internet…

Heute gehe ich trotzdem auf die aktuellen Ereignisse ein. Wir wollen die nächsten Wochen, auch wenn die Schule erstmal ausfällt, weiterhin jeden Sonntag hier einen Input posten. Versucht doch, euch im SBK online einmal die Woche zu treffen und darüber (oder über etwas anderes) zu quatschen! Bis ca. Ostern gibt es eine kleine Sonderreihe zum Thema „Apologetik“ – was genau das ist, erfahrt ihr in den nächsten Wochen. Ihr dürft also gespannt sein! (Oder, naja, googlet es halt). Wir starten heuten mit einer Frage, die dir schon mal begegnet sein dürfte…

Warum lässt Gott das Leid zu?

Christen predigen tagein, tagaus, dass Gott jeden einzelnen von uns so sehr lieb hat, wie wir uns das gar nicht vorstellen können. So eine richtig krasse Liebe, die wir nicht mal von unseren Eltern, nicht mal mit unseren besten Kumpels und Freundinnen, nicht mal mit unseren Partnern kennen. Wie ist es dann also zu erklären, dass auf der Welt gerade so eine schlimme Krankheit wütet, an der schon viele Menschen gestorben sind? Menschen, die Gott doch liebt…! Wie passt das zusammen?

Darauf kann euch jeder Mensch –ohne Ausnahme- nur eine ehrliche Antwort geben: „Keine Ahnung!“. Gott ist halt kein Mensch, und wir sind halt nicht Gott. Wie sollten wir das also nachvollziehen können? Natürlich ist das aber eine sehr unbefriedigende Antwort, und deshalb teile ich mit euch ein paar Gedanken, die mir mit dem Umgang mit dieser Frage sehr helfen.

tl;dr: Warum lässt Gott das Leid zu?

  1. Keine Ahnung.
  2. Er ist jedenfalls mächtiger als das Leid.
  3. Manchmal sollten wir erstmal selber versuchen, was gegen das Leid zu tun.
  4. Es hat für Gott irgendeinen Sinn, auch wenn ich den nicht erkenne.
  5. Gott steht mit mir mein Leid durch. Er weiß, wie das ist. Und hilft mir, da durchzukommen. Er ist stärker!
  1. Gott ist Herr über das Leid

Bei der Frage „Warum lässt Gott das Leid zu?“ ist die Grundannahme, dass Gott es in der Hand hätte, das Leid zu verhindern. Aber wissen wir das so genau? Was wir wissen, ist: Es gibt Leid in der Welt. Daraus könnten wir drei Dinge folgern:

  1.  „Es gibt keinen Gott“. Oder:
  2. „Gott hat keine Macht über das Leid, und kann es nicht beenden.“ Oder:
  3. „Gott hat Macht über das Leid und könnte es beenden, tut es aber nicht.“

Ich glaube fest daran, dass Gott existiert. Ich erfahre IHN in meinem Alltag und halte die Bibel und die Zeugenaussagen darin für glaubwürdig. Annahme a) scheidet für mich also aus. Wenn ich nun die Bibel ernst nehme, dann finde ich darin Stellen, in denen Gott Dinge sagt wie: „Ich bin der HERR, der Gott über alle Menschen. Nichts ist für mich unmöglich!“ (Jeremia 32, 27). Und Jesus sagt: „[Papa], Vater, alles ist dir möglich“ (Markus 14, 36). Und ich lese in den Evangelien davon, wie Jesus vom Tod aufersteht – also nicht mal der Tod stärker ist als Gott. In diesem Zusammenhang halte ich es also für nicht logisch, zu sagen, Gott hätte keine Macht über das Leid. Er ist ganz offensichtlich stärker. Aussage c) ist für mich somit die einzig logische Folgerung. Natürlich beantwortet das nicht die Frage, warum er das Leid zulässt. Aber es ist wichtig festzuhalten: Gott kann es jederzeit beenden.

2. Warum lasse ICH das Leid zu?

Wichtig ist auch, dass ich beim Leid genauer differenziere. Man kann da an Seuchen denken, so wie jetzt gerade. Dann gibt es aber noch Hungersnöte. Armut auf der Welt. Ungerechtigkeit. Ist Gott wirklich an allem schuld? Kann ich einfach Gott die Verantwortung dafür zuschieben, dass Kinder auf der Welt immer noch an Hunger sterben? Ich habe mal eine kleine ausgedachte Geschichte gehört, in der jemand Gott fragt: „Warum lässt du zu, dass auf der Welt so viel Leid passiert?“ Und Gott antwortet: „Lustig, das wollte ich dich auch gerade fragen.“ Ein Großteil des Leides, das uns so begegnet, ist menschengemacht. Dann sollte auch ich, als Mensch, mich daran machen, etwas dagegen zu tun. Anstatt mich nur bei Gott zu beschweren. Dieser veränderte Ausgangspunkt hilft mir beim Umgang mit vielen Formen von Leid. Natürlich wirkt aber eine Seuche, wie jetzt gerade, viel übernatürlicher, und da kann der Mensch wahrscheinlich nicht viel dafür.

3. Eine Frage der Perspektive

Leid wirkt, wenn wir es selbst erleben, meistens total sinnlos. Ich glaube aber fest daran, dass Gott nur Dinge geschehen lässt, die für IHN einen Sinn haben. Leid kann eine Strafe sein. Leid kann die Macht Gottes zeigen. Oder Leid kann dazu dienen, anderswo etwas Gutes zu bewirken. Vielleicht erkenne ich diesen Sinn nach etwas Nachdenken. Vielleicht sehe ich ihn zwanzig Jahre später. Vielleicht aber auch gar nicht. Ich bin ja, wie gesagt, nur Mensch. Für Angehörige von Leuten, die an Corona sterben, wird es kaum möglich sein, darin einen Sinn zu sehen. Es tut einfach nur weh. Aber durch diese ganze Krise rücken Familien gerade wieder zusammen. Konflikte auf der Welt pausieren. Menschen suchen online Kontakt zueinander. Alle sitzen plötzlich im selben Boot. Vielleicht sind das Aspekte, in denen das Leid der Seuche etwas Gutes bewirkt. Als Jesus einmal einen Blinden traf, fragten ihn seine Jünger, ob er blind sei, weil er selbst gesündigt hat, oder weil seine Eltern gesündigt haben. Jesus antwortet: „Weder noch. Vielmehr soll an ihm die Macht Gottes sichtbar werden“ – und heilt ihn (Johannes 9, 1 ff.)! Für mich bedeutet das, dass Gott auch Leid geschehen lässt, um an anderer Stelle zu zeigen, wie mächtig er ist. Und dass aus dem Leid Gutes geschehen kann, was anders nicht sichtbar geworden wäre – nach dem Motto: Kein Licht, ohne Schatten.

4. Ich leide. Was jetzt?

Wenn ich diesen Sinn nicht sehen kann, bleibt mir nichts übrig, als Gott zu vertrauen, dass es da einen Sinn gibt. Und dass Gott mir helfen wird, mit dem Leid umzugehen. Ich brauche ihm nichts vorzuspielen, und darf ihm sagen, wenn es mir dreckig geht. Er weiß genau, wie sich Leid anfühlt. Er ist in Jesus schließlich selbst Mensch geworden und gestorben. Und will es mit mir durchstehen. Weil er mich so krass liebt, wie ich mir das gar nicht vorstellen kann. Gott spricht: „Ja, ich sage es dir noch einmal: Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst! Denn ich, der HERR, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst.“ (Josua 1, 9)

tl;dr: Warum lässt Gott das Leid zu?

  1. Keine Ahnung.
  2. Er ist jedenfalls mächtiger als das Leid.
  3. Manchmal sollten wir erstmal selber versuchen, was gegen das Leid zu tun.
  4. Es hat für Gott irgendeinen Sinn, auch wenn ich den nicht erkenne.
  5. Gott steht mit mir mein Leid durch. Er weiß, wie das ist. Und hilft mir, da durchzukommen. Er ist stärker!

Also: Keine Panik.

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