Um den letzten Abschnitt des Vaterunsers zu erörtern, fangen wir heute am besten mit dem an, was am längsten dauert. 😉


Habt Ihr euch schon einmal Gedanken über die Ewigkeit gemacht? Also mir fiel das als Kind schon immer sehr schwer, mir unter der Unendlichkeit etwas vorzustellen. Das hängt wohl einfach damit zusammen, dass wir Menschen für so etwas keinen Begriff haben, weil unsere Wahrnehmung dafür nicht ausgelegt ist. Wir haben zwar unsere fünf Sinne, mit denen wir unsere Umwelt wahrnehmen und anschließend interpretieren, aber so etwas wie Unendlichkeit begegnet uns im Alltag eher selten – mal abgesehen von der schlecht vorbereiteten Matheklausur vielleicht. Und damit sind wir schon beim Kern der Sache, den Einstein einmal so interpretierte: „Wenn man mit dem Mädchen, das man liebt, zwei Stunden zusammensitzt, denkt man, es ist nur eine Minute; wenn man aber nur eine Minute auf einem heißen Ofen sitzt, denkt man, es sind zwei Stunden – das ist die Relativität.“ Das heißt für uns, dass die Wahrnehmung von Zeit immer von uns selbst abhängig ist und wir deshalb mit unseren physischen Sinnen gar keinen Begriff der Unendlichkeit haben können.

Mit der Herrlichkeit hingegen sieht es schon ganz anders aus. Allen von uns werden gleich (fast) unendlich viele Ideen kommen, was man als herrlich bezeichnen würde. Für den einen ist das vielleicht ein Schokopudding und für wen anderen ein langer Urlaub am Strand. Kurz gesagt wäre das etwas, was in uns die Empfindung eines Wohlgefühls hervorruft und uns verweilen lassen will. Doch nicht jeder mag Schokopudding oder Strandurlaub. Herrlich ist also nicht der Pudding oder Urlaub an sich, sondern die Wahrnehmung in uns, die der Genuss der Sache in uns auslöst.


Unter der Kraft können wir uns spätestens seit Isaak Newton auch etwas vorstellen, auch wenn diese ebenso unsichtbar ist wie die Herrlichkeit und die Ewigkeit. Kraft kann z.B. etwas in Bewegung setzen und auf diese Weise Energie erzeugen, die wir alle zum Leben brauchen. Sehen kann man die Kraft an sich allerdings nicht. Wahrnehmbar wird für uns erst etwas davon, wenn die Kraft wirkt und uns z.B. der Schokopudding zu Boden fällt.

Sicher fällt es uns auch nicht schwer, uns ein Reich vorzustellen, das einen Herrscher mit vielen Untertanen hat, die ihrem gelliebten Herrscher Vertrauen schenken und wegen seiner Güte und Barmherzigkeit auch gerne in seinem Reich wohnen wollen. Manche würden sich unter einem Reich vielleicht eine Art Schlaraffenland vorstellen, wie im Märchen. Andere vielleicht eher eine schöne Berglandschaft, die uns zum Schwelgen einlädt.

Wir sehen also, dass diese ganze Angelegenheit doch sehr subjektiv ist und jeder eine andere Vorstellung von dem hat, was da auf uns zu kommt. Was können wir also tun? Was ist trotz unserer Subjektivität und unserem Individualismus unsere Aufgabe dabei?

Unsere Aufgabe liegt darin, ihn um die Kraft zu bitten, seine Gebote ausführen zu dürfen und uns wie die Israeliten als ein Volk mit einem Herzen vor ihm zu versammeln. Diese Kraft der Verbindung, der Einheit und der Nächstenliebe unter uns, ist die Kraft, die wir benötigen, damit sein ewiges Reich für uns zu einer herrlichen Empfindung wird, die wir ewig genießen wollen.


_Überlegt Euch einmal was ein Gebet für euch ist.

_Welche Empfindungen habt ihr beim Gebet?

P.s. Wenn ihr Fragen zum Thema habt, könnt ihr die gerne in den Kommentaren posten. Gemeinsam kommt man ja bekanntlich immer besser zu Lösungen. 😊