Demut – ein ziemlich altes Wort. Was ist Demut? Und was soll Demut bringen? Ich habe in der 5. Klasse Latein als neues Fach in der Schule bekommen. Damals war ich voll begeistert davon, dass ich auf einmal extrem viele Fremdwörter verstehen konnte. Es sind aber auch einige Fehler passiert: Ich dachte nämlich, jedes Wort mit einem -de- vorne dran wäre das Gegenteil vom ursprünglichen Wort: Interesse – Desinteresse. Ich war mir sicher, dass dasselbe auch für Demut gilt. Demut war also für mich das Gegenteil von Mut – sowas wie Feigheit. Heute weiß ich zum Glück, was Demut wirklich ist und – kleiner Spoiler – mit Feigheit hat es nichts zu tun. Das wäre auch komisch gewesen, denn die Bibel scheint Demut ziemlich zu feiern, wie wir in 1. Petrus 5, 5 lesen können: 

Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade. (Schlachter 2000) 

Aber was sind Hochmut und Demut, abgesehen davon, dass es Gegensätze zu sein scheinen? Hochmütig ist es, den Fehler immer zuerst beim Gegenüber zu suchen, sich selbst für klüger, schöner oder liebenswerter als die anderen zu halten. Hochmut hat etwas damit zu tun, dass man sich selbst über etwas stellt. Das hat vor allem zwei negative Effekte: Erstens beeinflusst es unsere Beziehungen zu anderen Menschen, weil wir uns nur noch um uns selbst drehen; zweitens beeinflusst es unsere Beziehung zu Jesus. Er ist am Kreuz für unsere Schuld gestorben. Wenn uns der Hochmut davon abhält, diese Schuld einzusehen, dann tun wir so, als bräuchten wir keine Vergebung. Damit lehnen wir Gottes Geschenk – seine Gnade – ein Stück weit ab. 

Demut ist das absolute Gegenteil von Hochmut. Demut lässt sich mit dem Satz „Ich bin nicht perfekt “ umschreiben. Diese Erkenntnis ist es nämlich, die uns demütig werden lässt. Es ist die Grundlage dafür zu erkennen, dass nur Gott perfekt – also Gott – ist. Und es ist die Grundlage dafür, Gott in unserer Unperfektion immer wieder zu begegnen und auch unsere Schuld zu bekennen und einzusehen, wo wir Fehler gemacht haben. So erfahren wir Befreiung und Entlastung, weil uns unsere Schuld vergeben wird. Unsere Beziehung zu ihm ist wiederhergestellt. Wir als Unperfekte vor dem perfekten Gott, der dennoch mit uns zu tun haben will. Aber auch unsere Freundschaften und unsere Ausstrahlung wird eine ganz andere, wenn wir den Hochmut ablegen können und vielmehr einen Lifestyle haben, wie er Gott gefällt. 

Das alles ist ziemlich abstrakt. Nicht, weil man es nicht verstehen könnte, sondern einfach, weil unsere Natur alles andere als demütig ist. Außerdem kann man sich nicht einfach dazu entscheiden, ab sofort mal ein demütiges Leben zu führen. Ich spreche da aus Erfahrung. Als ich erkannt hatte, dass Hochmut bei mir ein Problem ist, bin ich immer wieder in Selbstoptimierungen abgerutscht. Ich habe versucht, mich selbst zu verbessern. Wir können mit dem Blick auf uns selbst aber nicht demütig werden, wenn uns der Blick auf Gott fehlt. Auf den perfekten Gott, der für uns stirbt. Die weitaus klügere Herangehensweise ist es also, täglich zu beten – kontinuierlich um Veränderung zu bitten und einfach in Beziehung mit Gott zu sein. Es ist die Natur von Gottes Gnade, dass sie unbegrenzt ist. Lasst zu, dass der Heilige Geist euch verändert – er wird es auch tun! So demütig wie Jesus es war, werden wir zwar nie werden, aber wir sollten immer wieder bereit sein für Veränderung. Zum Abschluss deswegen noch Philipper 2, 13. Dort steht: 

Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt nach seinem Wohlgefallen. (Schlachter 2000) 

Für euren SBK: 

_ Kannst du dich an eine Situation erinnern, die hart für dich war, die dich aber im Rückblick ein Stück demütiger gemacht hat? Erzähl gern davon.  

_ Bist du bereit für ein „Scary Prayer“ – ein herausforderndes Gebet? Ja? Bitte Gott darum, dich zu demütigen. Und sei nicht überrascht, was passiert. Seid gemeinsam unterwegs auf dem Weg zur Demut. Das macht auf jeden Fall Mut!  

_ Mach dir bewusst, dass deine guten Eigenschaften von Gott kommen – du kannst sie dir nicht selbst geben. Worauf bist du besonders stolz? Bedanke dich bei Gott für diese krasse Gabe und bete dafür, dass du deswegen nicht in Hochmut verfällst!