„[Der Vater sprach:] Wenn du […] etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns! Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst! Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.

Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Markus 9, 22ff, Luther 17

Die Begebenheit aus Markus 9, in der unsere Jahreslosung steht, ist wirklich bemerkenswert und hat mich persönlich total berührt.

Ein Mann kommt zu Jesus, möchte dass sein Sohn von einem bösen Geist geheilt wird. Die Jünger versagen. Jesus schaut ihm tief in die Augen. Dem Mann, der da vor ihm steht, der all seine Hoffnung in Jesus setzt, voll Sehnsucht nach Veränderung. Halb vorwurfsvoll, halb ermutigend wirft er ihm an den Kopf: „Alles ist möglich dem, der glaubt.“
Und er schreit, der Mann. Verzweifelt, flehend. Hoffnungsvoll, entmutigt.

ICH GLAUBE! HILF MEINEM UNGLAUBEN!

Ordne dich einmal imaginär auf eine Skala von 1 bis 10 ein, wobei 1 – Unglaube und 10 – Glaube bedeutet.
Wo stehst du?
Wenn gerade vieles gut läuft in deinem Glaubensleben, du Jesus spürst und erlebst, du auftanken kannst und inspiriert bist: Cool! Du hast dich wahrscheinlich oberhalb der 5 eingeordnet.
Wenn du gerade frustriert bist, vor lauter Fragen gar nicht weißt, ob du überhaupt noch glaubst, Zweifel dich plagen, du durch Krisen gehst: da scheint ja ordentlich was schief zu laufen bei dir. Du hast dich wahrscheinlich unterhalb der 5 eingeordnet und das zeigt, dass du gerade gar nicht so cool mit diesem Jesus bist.
Gute Übung zur Glaubensreflexion?

Der Mann in unserer Geschichte reißt uns heraus aus diesem kontrastiven Denken in Schwarz Weiß. Glaube als Gegenteil von Unglaube? Glaube = juhuu, Unglaube = mäh?

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ zeigt, dass diese beiden Dinge viel enger miteinander verwoben sind als gedacht, ja, dass sie vielleicht sogar gleichzeitig vorhanden sein können. Wie zwei Seiten eines Papiers.
Klingt jetzt erst einmal ziemlich merkwürdig? Stimmt. Wie soll man denn gleichzeitig glauben und nicht glauben können?

Die durch „my lighthouse“ bekannt gewordene Band rend collective hat ein wunderschönes Lied dazu geschrieben.

Weep with me – Weine mit mir – beschreibt genau die Spannung, in der wir Menschen in unserem Glauben manchmal stehen. Zwischen Fragen, die wir uns in den kleinen und großen Krisen unseres Lebens stellen, Zweifeln, ob es alles stimmt, was ich früher immer für wahr gehalten habe – und der HOFFNUNG, DASS es genau so ist. Unglaube hat enorm viel damit zu tun, sich an Gott zu klammern. Mit Gott zu ringen, und ihn nicht loszulassen. Zuzulassen, dass er antwortet auf meine Situation. Das beschreibt das Lied wirklich gut:

Mein Lieblingssatz aus dem Lied: „Whats true in the light is still true in the dark“ – Was im Licht wahr ist, ist es auch in der Dunkelheit. Nur weil du gerade die eine Seite deines Papiers betrachtest, heißt das nicht, dass die Dinge auf der Rückseite ihre Gültigkeit verloren haben. Die Wahrheit BLEIBT, auch wenn wir Dinge infrage stellen. JESUS bleibt. Wow.

Das hat mich extrem ermutigt für das neue Jahr 2020. Und das tut es vielleicht auch bei dir?

Meine Skala habe ich weggeschmissen. Hab mich entschieden, bei der Sache weniger auf MICH und mehr auf IHN zu schauen. Weil er am Ende derjenige ist, der mir in den Zeiten meines UN/GLAUBENS hilft.

In diesem Sinn, geh mit JESUS in dein Jahr 2020. Schreib Geschichte und schreib sie auf beide Seiten deines Papiers =)