Eigentlich ist der Advent ja eine fröhliche Zeit! Es gibt Plätzchen und Punsch, alles glitzert, leuchtet und blinkt und man kann eine tolle Zeit auf dem Weihnachtsmarkt verbringen. Man freut sich auf Weihnachten, je nach Alter eher auf Geschenke oder Familie und dann sind auch endlich mal wieder Ferien. Wenn es jetzt noch schneien würde, wäre die Welt eigentlich perfekt.
Und dennoch liegen im Advent Freud und Leid oft dicht beieinander. Es liegt eine gewisse Einsamkeit und Melancholie in der Luft, alles ist irgendwie andächtig und düster ist die Jahreszeit ohnehin. Aber woran liegt das?

Ein Grund dafür könnte sein, dass das Gras auf der anderen Seite immer etwas grüner ist: In anderen Familien ist die adventliche Gemeinschaft viel besser – andere bekommen coolere Geschenke zum Nikolaus oder mehr Aufmerksamkeit – alle anderen können gefühlt viel schönere Dinge mit Freunden machen, während mal selbst drinnen sitzt und lernt bzw. arbeitet…
Vielleicht ist das ja aber auch ein gewollter Teil des Advents. Jesaja schreibt in Kapitel 9,1-2:

„Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir freut man sich, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt.“

Uns Christen wird eine große Freude versprochen! Der Advent ist die symbolische Zeit vor der Ankunft dieser Freude. Aber wie kann Freude überhaupt entstehen? Ja nur dann, wenn sich etwas schlechtes oder trauriges plötzlich bessert oder zum Guten wandelt. Dann, wenn ganz unverhofft alles nicht mehr so düster aussieht, wie es eben noch war und dann, wenn man sich bewusst wird, dass jetzt alles gut ist.

Von daher muss es vor der Freude ja zwangsläufig eine Zeit der „Nicht-Freude“ geben. Insofern darf der Advent auch bewusst Raum für Trauer und Melancholie sein – denn wir haben die Zusage und das Wissen, dass uns auch in (bzw. nach) unserem persönlichen Leben große Freude bevorsteht!