Habt ihr schon einmal versucht mit einem stumpfen Messer Tomaten zu schneiden? Ne ziemliche Matscherei, wenn die Schneide des Messers statt die Schale sauber zu durchtrennen einfach nur dafür sorgt, dass die ganze rote Suppe aus dem inneren der Tomatenhälfte rausgequetscht wird. Von der Mühe, die man dann erst mit den Karotten und den Zwiebeln hat möchte ich gar nicht erst anfangen.

In meiner Küche gibt es ziemlich viele stumpfe Messer. Aber irgendwie denke ich dann doch immer wieder

„Ach, das geht schon noch.“

Dann sehen die Tomaten halt ein bisschen gematscht aus.

Wie viel Ärger, Zeit und Frust man sich doch manchmal in der Küche ersparen könnte, wenn man das Messer einfach mal wieder schärfen würde…

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Wir Christen sind ganz oft wie solche Messer. Es ist völlig normal, dass sie sich, wenn sie gebraucht werden, mit der Zeit abnutzen. Sie arbeiten sich ab an dem, was ihnen „begegnet“. Das, was wir erleben, geht nie spurlos  an uns vorbei.

Ein kleines Beispiel aus meinem Alltag. Wenn man in Berlin Ubahn fährt, kommen nicht selten übel riechende, schäbig gekleidete Menschen herein, die einen nach finanzieller Unterstützung für ihre nächste Mahlzeit fragen. Als ich neu in Berlin war, hat mich das total betroffen gemacht. So nah ist mir auf dem Dorf, wo ich herkomme, selten so ein Elend begegnet. Mittlerweile gehöre ich immer öfter zu den Menschen, die in solchen Situationen eine teilnahmslos-neutrale Miene aufsetzen, oder ihre Smartphones rausholen, bis der Obdachlose vorüber gegangen ist. Dann sitze ich manchmal daheim und bin erschrocken darüber, wie wenig Mitgefühl ich doch in solchen Momenten übrig habe.

Ich bin abgestumpft.

Leid zu sehen wird irgendwann normal.

Aber genau das gleiche könnte man in die andere Richtung überlegen. Wenn ich im Urlaub bin und zum ersten Mal die Sonnenstrahlen auf dem glitzernden Meer von einer irischen Steilküstenwand aus bewundere, dann bin ich einfach überwältigt und schieße unzählige Fotos von der Szenerie. Nach dem 4., 10. oder 20. Mal ist das ganze aber schon gar nicht mehr so spektakulär.

Abgestumpft.

Die schöne Landschaft zu sehen, irgendwann wird es normal.

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Wenn wir merken, dass wir uns an den Umständen unseres Lebens abgearbeitet haben, wir abgestumpft sind gegenüber dem Leid und den Freuden dieser Welt, dann sollte unsere Reaktion nicht sein „ach, das geht schon noch.“ Nein, wir sollten zu unserem Herrn rennen und ihn bitten, uns wieder zu schärfen! Unseren Blick zu schärfen für das, was uns umgibt. Denn durch diesen Bearbeitungsprozess verändert sich nicht nur unsere Wahrnehmung auf unsere Umwelt, sondern darin liegt auch enormes Potential, viel klarer und wirkungsvoller zu agieren! Wenn ich mir das Bild von dem Gemüsemesser so vor Augen halte: Ich wäre lieber ein Messer, was mit klarer Kante die Tomate in zwei Hälften schneiden kann, als eines, was nur rote Suppe rausquetscht und alle nervt 😛

Also, wenn du merkst, dass du abgestumpft bist: Das muss so nicht bleiben!
Begib dich in die Gegenwart Gottes und bitte ihn, dich zu schleifen und zu schärfen.

Er will dir gern einen neuen, geschärften Blick für deine Umgebung schenken und dich wieder neu befähigen, dein Umfeld klar und positiv zu beeinflussen!

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Welchen Dingen gegenüber bist du abgestumpft?

Bitte Gott, dich für diese konkreten Situationen neu auszurüsten, dich zu erneuern und zu schärfen.