Credo in unum Deum,
Patrem omnipoténtem,
omnium visibílium et invisibílium factorem. […]

Nein, nein, ich habe nicht vor Eure Lateinkenntnisse auf die Probe zu stellen. Außerdem leben wir im 21. Jh. und da sind römische Feldherren die uns über den Weg laufen oder nach demselben fragen könnten, eher selten geworden.Hätten wir allerdings eine Zeitmaschine und würden uns von dieser um genau 1694 zurück Jahre in die Türkei nach İznik, einer kleinen Stadt in der Nähe von Istanbul katapultieren lassen, würden wir uns wundern. Dort fand nämlich ab dem 20. Mai im Jahre 325 das erste Konzil von Nicäa statt. Eine Art Kongress, der von Kaiser Konstantin I. einberufen wurde, um seine Herrschaftsansprüche über das Römische Reich (Imperium Romanum) zu festigen und wichtige Fragestellungen zu einer einheitlichen Kirche in seinem Reich zu klären.

Bei diesem Kongress waren an die 300 Bischöfe aus dem gesamten Reich anwesend, das sich in dieser Zeit über weite Teile Europas bis nach England erstreckte.Nach 5 Tagen eifriger Auseinandersetzung, die auch von einigen Tumulten begleitet waren, kamen die Anwesenden, neben vielen weiteren Entscheidungen zu einem einheitlichen Glaubensbekenntnis, das bis heute, in leicht abgewandelter Form (Nicäno-Konstantinopolitanum) unser christliches Verständnis über den Glauben prägt.

Diese Begebenheit der Geschichte finde ich sehr inspirierend, weil wir im Moment erleben, wie unser Europa, das über eine so lange Zeit gewachsen ist, plötzlich anfängt auseinander zu driften und Löcher zu bekommen. Warum sollten wir uns also mit weniger zufrieden geben, als die Menschen vor 1694 Jahren? Auch sie haben miteinander gerungen und uns einen so wichtigen Teil unseres Glaubensverständnisses vermittelt, das wir noch heute wie selbstverständlich in allen Teilen Europas und der Welt gemeinsam als Glaubensbekenntnis beten können. Diesen gemeinsamen Geist und die Inspiration über unseren Glauben, können heute alle von uns noch selbst erleben – z.B. auf einer von vielen SMD Schülerfreizeiten in ganz Europa.

Wir glauben an den einen Gott,
den Vater,
den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat,
Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott,
Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.

Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, christliche und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.

Amen.

– Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel